Gift in der Nahrung

Haben Sie Bedenken bezüglich möglicher Gefahren, die von der Nahrung ausgeht? Nein? Warum auch. Wir leben ja nicht in der Dritten Welt, sondern in einem hoch entwickelten Industriestaat, in dem die Produkte ausführlich getestet werden. Verdorbene Ware, Krankheitserreger, Pestizide, Herbizide, Fungizide, Insektizide, Medikamente, Farbstoffe oder andere Chemikalien werden sicher nicht in gefährlich hoher Konzentration im Essen zu finden sein. Hier wird alles getestet und untersucht. Das was wir im Supermarkt kaufen können, ist zwar nicht unbedingt das gesündeste, was die Natur zu bieten hat und viele Produkte kann man nur mit viel Fantasie (wie sie bei den Marketing-Abteilungen allgegenwärtig ist) als „natürlich“ bezeichnen. Aber so wirklich schädlich wird das Essen aus dem Regal wohl kaum sein. Die Dosis, die wir an Schadstoffen durch die Nahrung einnehmen dürfte also völlig unbedenklich sein.
Sicher? An der Stelle sollte man wissen, wie die entsprechenden Einrichtungen arbeiten, die uns angeblich schützen. Die Tagesdosis, die ein Mensch einnehmen kann, ohne Schaden zu nehmen, für die bei der Nahrungsproduktion eingesetzten bekannten Gefahrenstoffen, wie etwa den verwendeten Pestiziden, mit Tierversuchen ermittelt. Den Tieren werden so lange immer schwächere Dosen des giftigen Stoffes verabreicht, bis keine negative Wirkung mehr zu beobachten ist. Dieser sogenannte NOAEL-Wert (No Observed Adverse Effect Level), wird dann auf das Gewicht eines Menschen hochgerechnet und ein mehr oder weniger willkürlicher Sicherheitsfaktor hinzugerechnet. Das ergibt die erlaubte Tagesdosis für Menschen, die angeblich ohne gesundheitliche Beeinträchtigung eingenommen werden kann. Von der Verträglichkeit der Giftstoffe bei den Versuchstieren auf die Verträglichkeit bei Menschen zu schließen, ist natürlich eine überaus primitive und unsichere Vorgehensweise. Schließlich können Stoffe, die für ein bestimmtes Tier ungefährlich sind bei Menschen zu starken Vergiftungen führen und umgekehrt. Selbst unter Menschen kann die selbe Dosis bei einigen keine Wirkung zeigen aber bei anderen eine starke Auswirkung haben. Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Substanzen und Langzeitwirkungen werden bei den Versuchen auch nicht unbedingt berücksichtigt.
Wenn die Wissenschaftler jetzt mit seriöser Miene eine erlaubte Tagesdosis ausgewürfelt haben, dann stellt sich als Nächstes die Frage, wie viel von dem giftigen Stoff wir über unsere Nahrung zu uns nehmen und ob wir die erlaubte Tagesdosis damit überschreiten. Und auch diese Berechnung, das Ergebnis jahrelanger wissenschaftlicher Forschung, ist alles andere als zuverlässig.
Zunächst einmal werden Grenzwerte festgelegt, bis zu denen unsere Nahrung prinzipiell verunreinigt sein darf, ohne dass zu erwarten ist, dass die Konsumenten bei der Ernährung die Tagesdosis überschreiten. Man spricht hier vom MRL-Wert (Maximum Residue Limits, Rückstandshöchstgehalten). Dieser gibt die Menge an Pflanzenschutzmitteln im mg/kg an, die maximal in einem Nahrungsmittel enthalten sein darf und ist abhängig von der erlaubten Tagesdosis. Die Festsetzung dieses Wertes ist ein sehr komplexer Prozess an dessen Ende dann für jedes Nahrungsmittel ein eigener Wert festgelegt wird. Diese Zahlen werden von der UNO auf Basis von Beratungen mit zwei Komitees, die der WHO und der FAO unterstehen (JECFA und JMPR) festgelegt. Die Sitzungen sind nicht öffentlich und die Forschungsdaten, auf denen die Annahmen und Entscheidungen basieren, werden zudem von den Konzernen bereitgestellt, welche ihre Umsätze durch den Verkauf der Schadstoffe generieren. Die Unterlagen zu den Studien der Industrie sind Eigentum der Unternehmen und werden als Betriebsgeheimnis gewertet. Sie unterliegen dem Datenschutz und sind durch eine Vertraulichkeitsklausel geschützt. Der Verbraucher kann keine Kenntnisse über den Inhalt erlangen und muss sich darauf verlassen, dass die Behörden die Daten korrekt analysieren und interpretieren. Dabei hat sich beispielsweise die WHO jahrelang von der Industrie täuschen lassen. So legte die Zigarettenhersteller fehlerhafte Studien vor, die der WHO lange Zeit als Arbeitsgrundlage dienten. Es ist offensichtlich, dass die Geheimhaltung den Interessen der Konzerne dient und nicht der Gesundheit der Verbraucher.
Die festgelegten Grenzwerte werden dann von Experten der EFSA in einer Datenbanken mit Informationen über Rückstandshöchstgehalte zusammengetragen. Die EFSA bewertet auch die potenziellen Risiken für die Verbrauchergesundheit aufgrund bestehender Rückstandshöchstgehalte. Für sie stellt die erlaubte Tagesdosis also einen wichtigen Referenzwert dar. Je niedriger die erlaubte Tagesdosis ist, um so niedriger sollte auch die Belastung der Pflanzen sein, damit die Verbraucher die erlaubte Tagesdosis nicht überschreiten und gesundheitliche Schäden erleiden.
Wir haben jetzt also eine erlaubte Tagesdosis und Grenzwerte für die chemischen Stoffe, damit die Tagesdosis nicht überschritten wird. Aber wie viel Schadstoffe nehmen wir denn nun über unsere Nahrung tatsächlich auf? Und wird die Tagesdosis dabei wirklich nicht überschritten? Um diese Fragen zu klären wird natürlich nicht für jeden Menschen bei jeder Nahrungsaufnahme ermittelt, was er gerade an Schadstoffen eingenommen hat. Es wird nur die potentielle Belastung ermittelt indem Annahmen getroffen werden, wie viel eine Person von welchen Lebensmitteln mit einer spezifischen Belastung konsumiert. Daraus errechnet sich die Gesamtbelastung. Das Ergebnis basiert also auf einer Reihe von Annahmen, Schätzungen, Vereinfachungen und Vereinheitlichungen. Es kann natürlich vorkommen, dass Pflanzen stärker als erlaubt belastet sind und auch die tatsächliche Ernährung einer Person wird nicht berücksichtigt. Es werden bestenfalls die länderspezifischen Essgewohnheiten in die Berechnungen einbezogen. Diese berechneten Werte gelten somit nur sehr eingeschränkt für eine konkrete Person. Auch hier gibt es also wieder einen hohen Unsicherheitsfaktor, der mit weitgehend willkürlichen Sicherheiten eliminiert werden soll. Das muntere Raten geht ungetrübt weiter und wird uns als seriöse Wissenschaft verkauft und mit Steuergeldern finanziert.

Fassen wir zusammen: Es ist nicht genau bekannt, ab welcher Menge ein Stoff negative Auswirkungen auf eine konkrete Person hat und auch nicht, wie viel die entsprechende Person davon aufnimmt. Wechselwirkungen werden erst Recht nicht gezielt untersucht. Die gesamten Bewertungen zum Risiko durch verunreinigte Lebensmittel basieren auf Vermutungen und Schätzungen. Sind Sie immer noch so sicher, dass Sie den Experten bedenkenlos vertrauen können?


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