Geldschöpfung aus dem nichts … besser als ein Goldesel!

Mit „Geld“ bezahlen wir zwar jeden Tag die Waren und Dienstleistungen, die wir in Anspruch nehmen, dennoch ist vielen Menschen nicht bekannt, wie das Geldsystem funktioniert und wie das Geld entsteht. Das ist fatal, denn nur mit diesem Wissen ist es möglich zu verstehen, warum die Schulden entgegen der Beteuerungen der Politiker immer weiter ansteigen. Und nur mit diesem Wissen ist es verständlich, warum die Wirtschaft immer weiter wachsen und immer mehr Ressourcen verbrauchen muss, obwohl die Politiker uns dazu anhalten, Energie zu sparen und die Umwelt zu schützen. Nur mit diesem Wissen über die Funktionsweise des Geldsystems wird auch klar, warum wir immer mehr Steuern bezahlen sollen und ein Handwerker fünf bis acht Stunden arbeiten muss, um sich eine Stunde Arbeitszeit eines anderen Handwerkers leisten zu können.
Ein weit verbreiteter Irrglaube ist die Annahme, dass Banken das Geld verleihen, das andere Kunden auf ihr Konto eingezahlt haben. Dies ist nicht der Fall. Wenn Banken einen Kredit vergeben, dann schöpfen sie das Geld aus dem Nichts. Für dieses auf Knopfdruck erzeugte Geld erwarten die Banken dann aber ganz reale Sicherheiten, wie etwa den Zugriff auf eine Immobilie im Falle der Unfähigkeit des Schuldners, die Forderungen der Bank zu begleichen. Zudem muss der Kreditnehmer nicht nur den geliehenen Betrag und eventuell eine Bearbeitungsgebühr zurückzahlen, er muss auch Zinsen und Zinseszinsen bezahlen.

Nachfolgend beziehe ich mich auf Informationen von der Deutschen Bundesbank, welche die Problematik verdeutlichen.

Zunächst wollen wir die Aussage betrachten, dass bei einer ganz gewöhnlichen Kreditvergabe durch eine Bank nicht das vorhandene Geld verliehen wird, sondern grundsätzlich neues Geld geschaffen wird.

Im Schülerbuch „Geld und Geldpolitik“ wird unterstellt, dass bei der Kreditvergabe einer Bank generell neues, die Geldmenge erhöhendes Buchgeld geschaffen werde. Ist das zwingend? Kann die Bank nicht auch altes, schon früher geschaffenes Geld, z. B. Spareinlagen, weiterreichen, wodurch die volkswirtschaftliche Geldmenge nicht erhöht wird? Die Refinanzierung durch Spareinlagen ist doch gängige Praxis der Banken.

Tatsächlich wird bei der Kreditvergabe durch eine Bank stets zusätzliches Buchgeld geschaffen. Die weitverbreitete Vorstellung, dass eine Bank „auch altes, schon früher geschöpftes Buchgeld, z.B. Spareinlagen, weiterreichen“ (könne), wodurch die volkswirtschaftliche Geldmenge nicht erhöht wird, trifft nicht zu.

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Die Bank gewährt einem zweiten Kunden einen Kredit von 1.000. Dies führt wiederum zu einer Bilanzverlängerung (Aktivseite: Forderungen steigen um 1.000; Passivseite: Sichteinlage des Kreditnehmers nimmt um 1.000 zu). Durch den Vorgang nimmt die Geldmenge M3 um 1.000 zu, da die Sichteinlagen des Kreditnehmers zu M3 gehören.[1]

Quelle: Deutsche Bundesbank

Wenn eine Geschäftsbank einem Kunden also einen Kredit von 1.000 Geldeinheiten gewährt, dann bucht sie in ihrer Bilanz auf der Aktivseite eine Kreditforderung gegenüber dem Kunden ein und schreibt dem Kunden auf dessen Girokonto, das auf der Passivseite der Bankbilanz geführt wird, 1.000 Geldeinheiten gut. Diese Gutschrift erhöht die Einlagen des Kunden. Es entstehen 1.000 Geldeinheiten.
Natürlich muss der Kunde das geliehene Geld irgendwann zurückzahlen. Angenommen, der Kunde lässt das geliehene Geld ein Jahr lang auf seinem Konto liegen und zahlt es dann wieder zurück. Das hätte zur Folge, dass die entsprechende Forderung der Bank auf der Aktivseite wieder gestrichen wird und die Geldmenge schrumpft wieder auf die entsprechenden Menge ohne den Kredit.
Soweit, so gut. Nun möchte die Bank aber zusätzlich auch noch Zinsen haben. Und da beginnen die Probleme. Denn bei der Kreditvergabe wurden die Zinsen nicht mitgeschöpft und sie existieren somit auch nicht. Wenn jemand einen Kredit bei einer Bank aufnimmt, muss er folglich mehr Geld zurückbezahlen, als die Bank bei der konkreten Kreditvergabe in Umlauf gebracht hat. Da niemand das fehlende Geld selbst im Keller drucken darf, gibt es jetzt es nur zwei Möglichkeiten:

  • Entweder der Kreditnehmer nimmt das Fehlende Geld für die Zinsen aus der sich in Umlauf befindenden Geldmenge (Arbeitslohn, Diebstahl, …), die dadurch schrumpft
  • oder er nimmt einen neuen Kredit auf.

Die erste Möglichkeit funktioniert natürlich nicht gesamtgesellschaftlich. Wenn jeder Kreditnehmer das Geld für die Zinspflichten aus der sich in Umlauf befindenden Geldmenge bezieht, würde die Geldmenge beständig abnehmen und das Geldsystem würde in einer Deflation enden. Irgendwann stünde dem Warenangebot einfach keine ausreichende Geldmenge mehr gegenüber. Also bleibt nur die Möglichkeit, dass ständig neue Kredite aufgenommen werden, um die Zinsen für alte Schulden zu bezahlen. Auf diese Weise erhöht sich aber die Geldmenge beständig und das Geldsystem nimmt inflationäre Züge an.
Jetzt wird auch klar, warum eine Deflation von den Banken und Politikern gefürchtet wird. Wenn die Geldmenge schrumpft und die Menschen nicht mehr genug Geld haben, um sie Waren zu kaufen, dann müssen die Preise sinken. Dies hat wiederum zur Folge, dass die Kunden bei weniger dringenden Anschaffungen auf weiter sinkende Preise warten und das wenige noch vorhandene Geld verstärkt zurückhalten. Irgendwann bricht die Wirtschaft zusammen.
Banken sind also bestrebt, ständig neue Kredite zu vergeben, um zu verhindern, dass das Geld für die Rückzahlung von Zinsen auf alte Kredite vom vorhandenen Geld genommen wird. Das geht soweit, dass die Banken irgendwann auch Kredite an Menschen vergeben, die gewiss nicht „kreditwürdig“ sind, bei denen also davon auszugehen ist, dass die den Kredit niemals tilgen können. So geschehen im Zuge der Immobilienkrise in den USA ab 2007.
Was aber passiert, wenn die Banken immer neue Kredite vergeben, um das Geld zu schöpfen, dass sie in Form von Zinsen für alte Kredite einnehmen? Nun, wenn ein Kreditnehmer einen Kredit und die anfallenden Zinsen tilgt, wird der Kredit aus der Bilanz gestrichen und hat dann keine Auswirkung mehr auf das vorhandene Geldvolumen. Die Zinseinnehmen hingegen bleiben bestehen und erhöhen die vorhandene Geldmenge.
An diese Stelle werden nun zwei Dinge deutlich:

  • Es ist nicht möglich, sämtliche Kredite mit dem vorhandenen Geld zurückzuzahlen, weil das Geld für die Zinsforderungen bei den Kreditvergaben nicht in Umlauf gebracht wurde. Es ist somit notwendig, ständig neue Kredite aufzunehmen, um die Zinsen für alte Schulden bezahlen zu können.
  • In Folge der Vergabe neuer Kredite für die Tilgung der Zinsschulden, steigt die Geldmenge an und es kommt zu einer Inflation.

Das Geld, das durch die Zinsforderungen an die Banken und Investoren fließt, steht erhöht zwar die Geldmenge und mindert dadurch den Wert des Geldes, es steht der Allgemeinheit aber nicht zur Verfügung.
Der normale arbeitende Bürger ohne großen Vermögensbesitz muss somit immer höhere Preise für die Waren und Dienstleistungen, die er einkauft bezahlen, kann aber selbst bestenfalls nur geringe Einkommenssteigerungen verzeichnen. Zudem wird der Anteil der in den Produkten und Steuern eingepreiste Zinsen immer höher. Folglich wird immer mehr Geld benötigt, um die gleiche Warenmenge oder Dienstleistung einzukaufen.
Es ist leider sehr schwierig, den Zinsanteil in den Produkten zu bestimmen. Wenn ein Handwerker mit 10 oder 15 Euro Nettostundenlohn sein Auto in einer Werkstatt reparieren lässt, dann wird er dort 80 Euro und mehr pro Stunde bezahlen. Von diesem Geld wird der Werkstattbesitzer die Miete für die Räume zahlen und er wird die Werkzeuge und notwendigen Versicherungen bezahlen. Ebenso die Löhne und die Lohnnebenkosten. Überall sind wieder Zinsen eingepreist. Mitunter sind die Zinsen auch versteckt in den Steuern, schließlich muss der Staat in Anbetracht der hohen Staatsverschuldung ebenfalls hohe Zinsen bezahlen. Der Staat kann alte Zinsforderungen entweder durch die Aufnahme neuer Kredite begleichen (Umschuldung) oder eben den Bürgern das Geld in Form von Steuern abnehmen und dadurch die Bürger zwingen, sich zu verschulden.
Wie auch immer, am Ende wird sich jemand verschulden müssen, um die Zinsforderungen zu begleichen und diese Schulden werden in die Produkte eingepreist.
Wenn nun immer mehr Geld für Zinsen und Zinseszinsen auf die durch Zins und Zinseszins ständig wachsenden Vermögen aufgebracht werden muss, dann sinkt naheliegenderweise der Anteil am Einkommen, der den arbeitenden Menschen zur Verfügung steht. Um den Lebensstandard zu halten bleibt also nur die Möglichkeit, immer mehr zu arbeiten. Die Banken erwarten, dass den Krediten eine reale Sicherheit gegenübersteht. Wenn die Banken immer größere Kreditsummen vergeben, dann müssen auch immer mehr Werte geschaffen werden. Dies erklärt den zwang zum grenzenlosen exponentiellen Wirtschaftswachstum, das übrigens auch nicht vereinbar ist mit irgendwelchen Umwelt- oder Klimaschutzzielen. Die Politiker mögen zwar erklären, dass der Klima- und Umweltschutz eine hohe Priorität hat, in Wirklichkeit sind wir aber gezwungen, immer mehr Ressourcen zu verbrauchen und die Umwelt zu belasten, um die realwirtschaftliche Grundlage für die Vergabe neuer Kredite zu schaffen.

Solange wir ein zins- und zinseszinsbasiertes Geldsystem haben und die Banken das Geld aus dem Nichts schöpfen und dafür Zinsen verlangen können, werden die Schulden gesamtgesellschaftlich immer weiter wachsen. Gleichzeitig werden ganz wenige Menschen immer reicher und mächtiger, während der große Teil der Menschheit in Armut versinkt. Bildung und hohe Hygienestandards sind schon heute ein Luxus, der für viele Menschen unerreichbar ist und in Zukunft wird sich das Problem noch verschärfen. Krankheiten, Gewalt und Krisen werden zunehmen und extreme Gruppierungen vor allem in den bereits armen Ländern, wo die Situation schon unvorstellbar schlimm ist, immer mehr Anhänger finden. Viele Menschen werden ihr Heil in der Flucht suchen und erhoffen sich ein besseres Leben in fernen Ländern, in denen es den Menschen noch besser geht. Die Flüchtlinge nehmen die Strapazen der gefährlichen Reise nicht auf, weil sie Freude am Reisen haben, sondern weil sie verzweifelt sind und auch etwas von dem Luxus abhaben möchten, der bislang nur anderen vergönnt ist. Die meisten Menschen, die auf Krisengebieten flüchten, würden gewiss lieber in ihrer Heimat bleiben, wenn sie dort ein schönes und sicheres Leben führen können. So aber sind sie gezwungen ihre bisherige Existenz hinter sich zu lassen und landen in der Hoffnung auf eine lebenswerte Existenz irgendwann in einem Wohn-Container in einem fremden Land bei fremden Menschen. Sie werden sich vermutlich eher abkapseln und möchten das letzte Bewahren, das ihnen geblieben ist: ihre Lebensweise. Das führt zu weiteren Konflikten. Kulturen, die über Jahrtausende gewachsen sind werden innerhalb kurzer Zeit zerrissen und neu zusammengewürfelt und der soziale Rückhalt und auch der (ohnehin eher geringe) Zusammenhalt zwischen den Menschen in einer Region schwindet immer mehr. In einer Stadt gibt es schon zwischen Nachbarn mit ähnlichen Interessen und ähnlichem kulturellen Hintergrund kaum einen Zusammenhalt. Da kann man nicht davon ausgehen, dass ein fremder Mensch von einem fernen Kontinent so aufgenommen wird, als wäre er ein alter Bekannter. Das hat nichts mit Fremdenhass zu tun, sondern ist einfach darauf zurückzuführen, dass die Menschen in eine Situation geworfen werden, die für alle Beteiligten stressig ist. Es prallen plötzlich verschiedene Interessen aufeinander. Die Flüchtlinge verlieren dabei ihre soziale Identität und die Einwohner der Gastgeberländer müssen sich mit dem Verhalte und den Gewohnheiten der Gäste arrangieren. Verschärft wird die Situation, wenn die Zuwanderer ihr Leben lang nur Gewalt und Unterdrückung erfahren haben, nie eine Schule besuchten und auch die Sprache des Gastgeberlandes nicht sprechen. Regeln und Normen werden in einer solchen Situation bedeutungslos und die Gewalt wird auch in den bislang eher wohlhabenden und friedlichen Ländern zunehmen.

Umweltzertörung, Armut, Krisen und viele andere Probleme lassen sich nur lösen, wenn die zins- und zinseszinsbasierte Geldsysteme weltweit durch Geldsystem ersetzt werden, welche ohne den Zwang zur grenzenlosen exponentiellen Verschuldung auskommen und die es auch nicht ermöglichen, das ganz wenige Menschen auf Kosten anderer unvorstellbar reich werden, während Milliarden Menschen ums tägliche Überleben kämpfen müssen und trotz harter Arbeit kaum genug Geld für ein anständiges Mittagessen für sich und die eigene Familie haben.
Solange die Politiker aber nicht die Geldsysteme grundsätzlich in Frage stellen und nicht die damit einhergehenden Probleme ansprechen, sondern stattdessen ständig mehr Wachstum fordern, haben sie die Funktionsweise der Finanzsysteme entweder nicht verstanden oder sie handeln bewusst zum Schaden der Menschheit und der Umwelt und die Interessen einer kleinen Gruppe von superreichen Menschen zu schützen, für die das zinsbasierte Schuldgeldsystem lukrativer als eine Goldesel ist.


Literaturverzeichnis:
[1]
Vertiefung – FAQ zum Thema Geldschöpfung; Deutsche Bundesbank; https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/FAQ_Listen/faq_zum_thema_geldschoepfung.html