Fleischverbot

Gegen Fleischkonsum – Grüne fordern verpflichtenden Vegetarier-Tag in Kantinen

So war es bei Focus Online zu lesen, wobei die Überschrift mittlerweile geändert wurde:

Grüne fordern Vegetarier-Tag – CSU: „Wir halten generell wenig von Bevormundungen“

Wenn ich solche Forderungen seitens der Politiker lese, frage ich mich, warum noch irgendjemand wählen geht. Ständig wird man bevormundet und gegängelt. Alles mögliche und unmögliche wird verboten und reglementiert. Muss das sein?

Diese Zeilen schreibe ich als Vegetarier. Eigentlich sollte ich über solche Vorschläge glücklich sein, aber das bin ich nicht. Es kann nicht sein, dass alle Probleme nur durch Verbote und Einschränkungen gelöst werden. Genau genommen löst man auf diese Weise keine Probleme, sondern verlagert sie. Beispielsweise verlagert man mit einem Fleischverbot in Kantinen den Fleischkonsum in die nächste Currywurstbude. Mit solchen Forderungen, wie sie von den „Grünen“ in den Raum geworfen werden, verärgert man nur die Menschen. Was soll das?
Viel besser wäre es, die Menschen aufzuklären. Anstatt einem Besuch der Schulklasse auf einem idyllisch hergerichteten Bilderbuch-Fantasie-Bauernhof aus dem vorletzten Jahrhundert, wäre der Besuch in einer heute modernen Flügelmastanlage angebracht, in der tausende Tiere auf engstem Raum in ihren Hinterlassenschaften dahinvegetieren und man beim Atmen der stickigen Luft Verätzungen der Armenwege riskiert. Anstatt ein Ausflug zum Ponnyhof könnte man die Kinder durch eine Schlachtfabrik führen, damit sie lernen können, wie aus einem lebenden Tier mit Gefühlen, Hoffnungen, Wünschen und Ängsten ein Stück Fleisch in Plastikfolie wird, das durch moderne Technik unter hohem Energieeinsatz und Chemikalien am verfaulen gehindert wird.
Bei der Gelegenheit könnte man die Hersteller der Fleischprodukte daran erinnern, dass sie durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhalten, um sich oder einem Dritten einen (rechtswidrigen?) Vermögensvorteil zu verschaffen, wenn sie auf die Packungen ein in freier Natur lebendes Tier abbilden, während das eingepackte Produkt aus einer Mastanlage kommt. Wenn die Hersteller das ignorieren, dann wäre es an der Zeit, Paragraph 263 des Strafgesetzbuches anzuwenden, der für solche Fälle Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahren vorsieht. Dann würde die Unsitte schnell ein Ende nehmen, dass den Menschen ständig ein falsches Bild von der Herkunft ihrer Schnitzel und Braten vorgegaukelt wird. So manch ein Fleischesser würde seine Mittagsplanung gewiss noch einmal selbstständig überdenken, wenn er WÜSSTE, was auf seinem Teller liegt. Jeder, dem es schmerzen bereitet, ein Tier leiden zu sehen und der eine verwundet auf der Straßen liegende Katze in die nächste Tierklinik zur Versorgung fahren würde, wird noch einmal darüber nachdenken müssen, wie viel Leid er durch seinen Speiseplan verursacht.
Darüber hinaus könnte man die Kinder und Jugendliche in den Schulen und die übrigen Menschen über Fernseher, Radios oder über das Internet (viele Grüße an die Öffentlich-Rechtlichen) aufklären, wie hoch der Energieverbrauch und der Wasserverbrauch ist, um ein bisschen Fleisch zu produzieren. Und auch die gigantische Menge an Gülle, die Jahr für Jahr auf den Feldern entsorgt werden muss und im Grundwasser und den Flüssen landet sollte erwähnt werden. Jeder, der sich einen Umweltschützer nennt, der versucht Energie zu sparen und seinen Müll dem Recycling zuzuführen, wird spätestens an dieser Stelle selbstständig umdenken müssen.
Bei der Gelegenheit konnte man die Subventionen der Fleischindustrie streichen und die Massentierhaltung einschränken, da sie ohnehin schwerlich mit dem Tierschutzgesetz vereinbar ist. Zudem könnte man die Schäden durch die hemmungslose Massentierhaltung an der Umwelt einpreisen. Dann würde der Preis für Fleisch auf ein realistisches Niveau steigen und damit würde dieses Produkt für Kantinen, Dönerbuden und Currywurststände gleichermaßen weniger Attraktiv werden. Derjenige, der aufs Geld schauen will oder muss, wird seinen Fleischkonsum reduzieren, wenn er für Fleisch das bezahlen muss, was es eigentlich kostet.
Denkbar wäre auch, in den Kantinen die Gerichte optional als vegetarische oder gar vegane Variante anzubieten. Das ist nicht unbedingt schwer. So kann man den großen Salatteller mit Putenstreifen auch ohne Putenstreifen anbieten und diese auf Wunsch separat dazugeben. Man kann hier sogar eine Auswahl zwischen einer Fleischbeilage und beispielsweise vegetarischen Streifen „nach Puten-Art“ anbieten. Ähnlich könnte man mit vielen anderen herkömmlichen Fleischgerichten verfahren. Anstatt immer ein Schweineschnitzel auf den Teller zu legen, wäre ein vegetarisches Schnitzel in der Auswahl sicher nicht schlecht. Oder eine vegetarische Wurst im Eintopf für den, der es möchte. Und auch die Preisgestaltung könnte man so anpassen, dass vegetarische Menüs etwas weniger kosten.
Und auch wer auf eine zuverlässige medizinische Versorgung Wert legt, wird seinen Fleischkonsum aus eigenem Interesse einschränken, wenn er weiß, dass durch die industrielle Haltung vieler Tiere auf engstem Raum Krankheitserreger hervorragend gedeihen. Damit die Tiere überhaupt das Schlachtalter erreichen, müssen sie mit Antibiotika (Anti-Bios: gegen das Leben) vollgestopft werden. Das hat aber zur Folge, das sich antibiotikaresistente Krankheitserreger bilden und damit wir eines der wichtigsten Werkzeuge der Menschheit für die Notfallbehandlung wertlos, weil wir uns mit fettigen Burgern vollstopfen wollen. Das ist doch krank!

Der Schlüssel zur Einschränkung des Fleischkonsums kann kein Verbot sein. Der Schlüssel liegt in der Information und Aufklärung und dem Aufzeigen von Alternativen. Auch als Vegetarier und Veganer muss man nicht auf ein tolles Essen verzichten und von Salat und Körnern leben. Eines meiner Lieblingsgerichte in meiner Zeit als Fleischesser war Spätzle mit einer feinen Soße und dazu panierte Schweineschnitzel. Währen da nur nicht ständig die knorpligen Stücke gewesen.
Während ich mir den Text für diesen Artikel überlegt habe, habe ich Spätzle mit Soße und panierte Schnitzel gegessen. Fast wie früher. Nur war dieses Schnitzel vegetarisch und damit frei von Knorpel. Geschmacklich konnte es locker mit einem Schweineschnitzel mithalten, auch wenn es natürlich etwas anders ist.
Dringend notwendig wäre übrigens auch eine öffentliche Diskussion über Tierrechte. Anstatt in den Medien ständig über sinnlose Dinge, wie Fußballspiele oder Autorennen zu berichten, wären Gesprächsrunden zum Thema „Tierrecht“ deutlich produktiver für die Weiterentwicklung unserer angeblich so modernen „Wissensgesellschaft“.