EuroparlTV

Schön, die Politiker Europas möchten dem Volk gnädigerweise mitteilen, was sie den lieben langen Tag über machen. Und das natürlich visuell mit vielen bunten Bildern. Mit so vielen Bildern, dass daraus ein Film wird. Nein, viele Filme sogar! So viele Filme, dass man daraus ein Sendeprogramm mit dem klangvollen Namen „EuroparlTV“[1] machen kann. Etwa neun Millionen Euro lässt sich das Europäische Parlament den Spaß kosten.[2] Ach nein, man soll nicht alles abtippen, was in der Mainstreampresse geschrieben wird. Natürlich zahlen die Parlamentarier den Sender nicht aus ihrer eigenen Tasche (in den Taschen ist das Geld drin, dass sie von den Bürgern bekommen haben). Finanziert wird der Sender aus dem Budget des Europäischen Parlaments. Da die EU keine eigene Finanzhoheit hat, wird der Haushalt über ein System von Eigenmitteln finanziert: Zölle, einen festen Anteil am MwSt-Aufkommen der EU-Mitgliedsstaaten, …[3]
Es gibt nur ein Problem: Die Zuschauer bleiben aus. Gerade mal 150000 Zuschauer haben sich das Programm im Jahr 2008 zu Gemüte geführt.[3] Das ist tragisch, denn alles was heutzutage zählt, ist nun mal: Quote, Quote, Quote!
Viel Mühe scheinen sich die verantwortlichen ja zu geben:

Für „EuroparlTV“ arbeiten mehr als 50 Kameraleute, Journalisten, Producer und Übersetzer. Österreichische Journalisten rechneten aus, dass eine Stunde Programm bisher rund 60.000 Euro kostete. Dies ficht den spanischen Vizepräsidenten des EU-Parlaments, Alejo Vidal-Quadras, allerdings nicht an: „Verglichen mit einem möglichen Publikum von fast 500 Millionen EU-Bürgern sind das sehr geringe Kosten“, sagt Vidal-Quadras, dessen Ziel es ist, künftig wenigstens 150.000 Interessenten pro Tag zu gewinnen.[3]

Heise

Wenn dann die Zuschauer ausbleiben, hilft nur eins:

Dafür will der Internet-Sender ab Februar kräftig die Werbetrommel rühren. „Wir werden eine Marketing-Kampagne starten.[3]

Heise

Humorvoll hat ein Mensch, der sich im Heise-Forum „Rockfrog“ nennt, geschrieben:

Einfache Rechnung

Europäische Einwohner
– Einwohner ohne DSL
– Einwohner, die noch nie davon gehört haben
– Einwohner, die das nicht interessiert
= 150.000

Wo ist das Problem?[3]

Heise

Und ein anderer, der sich „abracadaboum“ nennt schrieb:

Also bei mir geht’s nicht! Als Format ist WMV vor-ausgewählt, was mein Mplayer-Plugin normalerweise auch anstandslos abspielt. Umschalten auf Flash geht auch irgendwie nicht, es öffnet sich trotzdem immer das Mplayer-Plugin.
So wird das nichts.

PS:
System:
Gentoo, Firefox 3.0.5, mplayerplug-in 3.55, Javascript ist aktiviert.[3]

Heise

Grund genug, den Sender mal anzutesten. Hier die Erfahrung: Beim Öffnen der Seite EuroparlTV wird man von einem Startbildschirm begrüßt, das einem anbietet, die Sprache auszuwählen. und zwar einmal, dann wird die Seite nicht mehr angezeigt, so dass man später die Qual der Wahl nicht mehr hat. Man muss sich halt gleich richtig entscheiden. Aber das sollte man ja hinbekommen. Spielkinder, die eine Sprache auswählen, die sie nicht verstehen haben halt Pech gehabt. besser geht es denjenigen, die gleich die richtige Sprache gewählt haben. Oder vielleicht auch nicht. Angeboten wurden bei der Auswahl „deutsch“ vier Programme. Beim ersten war die Beschreibung in englisch. Beim zweiten war sie tatsächlich in in deutsch. Ebenso beim dritten. Beim vierten war der Text wieder englisch. Beim Öffnen eines Programms mit deutschem Beschreibungstext wurde man mit einem Programm in französischer Sprache begrüßt. Immerhin konnte man auch ein Video auch in englischer Sprache wählen. Dann jedoch wurde englisch und französisch gleichzeitig gesprochen. Natürlich zeitversetzt. Ein Klick auf den Pause-Schalter bewirkte, dass das Bild und eine Tonspur angehalten wurde. Eine andere hat fröhlich weitergeplaudert. Untertitel gingen gar nicht. So zumindest im News-Reader „Akregator“. Der Firefox-Browser konnte die Videos immerhin einigermaßen vernünftig abspielen. Allerdings ebenfalls nicht in deutscher Sprache.
Zu den Einwohner ohne DSL, den Einwohner, die noch nie davon gehört haben und den Einwohner, die das nicht interessiert kommen noch die Einwohner, die keine der angebotenen Sprachen verstehen. Beim Rühren der Werbetrommel sollten die Verantwortlichen dann hin und wieder eine Pause machen und die geistigen Ergüsse der Politiker in die Sprachen derer übersetzen, die sie zu erreichen gedenken.


Literaturverzeichnis:
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[3]
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