Euro, Franken, Dollar und das schwarze Gold

Heute konnte man an einigen Tankstellen für 1,209 Euro pro Liter seinen Tank mit Benzin Super befüllen. Das letzte Mal hatte ich im April 2009 zu diesem Preis getankt. Wenn man bedenkt, dass der Euro damals im Vergleich zum Dollar etwa 15 Cent mehr wert war, ist das besonders beachtlich. Hätten wir heute den gleichen Dollar/Euro-Wechselkurs, wie damals, könnte man noch billiger tanken. Da Rohöl, der Ausgangsstoff für Benzin, üblicherweise in Dollar gehandelt wird, haben Wechselkursschwankungen direkte Auswirkungen auf den Benzinpreis. Ist der Euro im Vergleich zum Dollar stärker, muss auch bei gleichem Dollar-Preis des Öls weniger Geld für die gleiche Menge Rohöl bezahlt werden. Und umgekehrt muss mehr für Rohöl bezahlt werden, wenn der Euro gegenüber dem Dollar schwächer ist. In Anbetracht des schwächelnden Euros müsste somit derzeit auch dann mehr für Rohöl bezahlt werden, wenn die schwarze Flüssigkeit in Dollar gerechnet so viel kostet, wie vor sechs Jahren. Wir zahlen zur Zeit allerdings ähnlich wenig für den Sprit, wie damals.
Dies macht deutlich, wie stark der Ölpreis gefallen sein muss. Und tatsächlich – wenn man sich den Rohöl-Chart beispielsweise der Sorte Brent anschaut, sieht man, wie stark der Ölpreis in den letzten Monaten gefallen ist. Seit 2009 ist der Preis für das Fass von etwa 75 Dollar auf über 100 Dollar angestiegen, um dann in wenigen Monaten auf unter 50 Dollar zu fallen.
Die Stärke des Euros basierte jedoch in erster Linie auf Täuschung. So stützte zum Beispiel die Schweizer Nationalbank den Euro, indem sie diese Währung aufkaufte und den Wechselkurs zum Franken bei einem Fixkurs von 1,20 Franken pro Euro hielt. Dies war notwendig, um die schweizer Wirtschaft (und vielleicht noch viel mehr die europäischen Banken, die sich mit Franken-Euro-Carry-Trades verzockt haben und nun das gesamte Euro-System ins Wanken bringen könnten) zu schützen. Ein schwacher Euro verteuert beispielsweise den Urlaub in der Schweiz für ausländische Touristen, deren Landeswährung der Euro ist, was dazu führt, dass weniger Menschen ihren Urlaub in der Schweiz verbringen und demnach auch weniger Geld dort von Touristen ausgegeben wird. Mittlerweile hat man bei der Schweizer Nationalbank jedoch festgestellt, dass es besser ist, die katastrophalen Schäden, welche bei einem schwachen Euro-Kurs zu erwarten sind in Kauf zu nehmen, als die noch viel schlimmeren Schäden, die drohen, wenn man weiter am Euro festhält. Scheinbar wird also in Bankenkreisen bereits so sehr damit gerechnet, dass der Euro eine schlimme Zeit erleben wird, dass man sofort beachtliche finanzielle Schäden in Kauf nimmt um die noch viel schlimmeren Schäden in Zukunft zu vermeiden. Wenn der Euro weniger stark ist, wirkt sich dies zwar negativ auf den Tourismus und auf andere Bereiche der Wirtschaft in der Schweiz aus, aber auch weiterhin an einer untergehenden Währung gebunden zu sein, ist noch schlimmer. Die Schweiz kann irgendwann nicht mehr so viele Euro aufkaufen, dass der Wert nicht zu stark sinken würde. Die Aufgabe des Fixkurses war gewiss kein leichter Schritt. Schließlich haben sich damit auch die Euro-Reserven, welche sich in der Schweiz durch die Stützungskäufe angehäuft haben, alleine heute um etwa 15 Prozent im Wert verloren. So viel ist der Euro zum Franken alleine durch die Nachricht zur Aufgabe des Fixkurses gefallen. Wenn der Euro weiter fällt, wird das Euro-Geld, das die Schweizer Nationalbank hortet, noch weniger wert sein.
Wenn die Schweizer Nationalbank all dies in Kauf nimmt, um sich vom Euro zu lösen, können wir damit rechnen, dass der Euro gegenüber anderen Währungen in Zukunft weiter fallen wird (es sei denn, die anderen Währungenverlieren noch schneller an Wert als der Euro). Wenn dann der Rohölpreis wieder anziehen sollte, dann werden wir hier Spritpreise erleben, die uns die Tränen in die Augen treiben dürften.


Weiterführende Informationen:
Schweizer Franken und der Euro – Der Mühlstein um Sissis Hals