Eine Bahnfahrt, die ist lustig …

Bahnsitz
Vor kurzem war es wiedereinmal nötig, mit der Bahn zu reisen. Auf der Hinfahrt lief unerwarteterweise alle glatt und auch die Rückfahrt begann ohne größere Probleme, so dass ich schon befürchtete, dass es tatsächlich einmal nichts zu berichten gäbe. Aber dann machte die Deutsche Bahn ihrem fragwürdigen Ruf doch noch alle Ehre. Einmal musste der Zug aufgrund eines verspäteten vorausfahrenden Zuges im Bahnhof warten. Das war etwas unangenehm, da bei einem Umstieg nur wenig Zeit eingeplant war und sich die ohnehin knapp bemessene Zeit Richtung 0 verkürzte, je länger wir in der Gegend herumstanden. Zwischenzeitlich wurde außerdem ein Triebwagen angehängt, der aber schon bald wieder aufgrund eines technischen Defektes abgehängt werden musste. Der Zug war mit moderner Neigetechnik ausgerüstet. Dadurch kann sich der Zug wie ein Motorradfahrer in die Kurve legen, wodurch zum einen die Geschwindigkeit erhöht wird, mit der der Zug durch die Kurve rauschen kann, was wiederum in kürzeren Fahrzeiten resultiert und zum anderen soll sich dadurch der Fahrkomfort erhöhen. Unglücklicherweise hat der Zug unablässig geruckelt. Dies war einem angenehmen Reisegefühl wiederum nicht unbedingt zuträglich. Wenn man dann versucht hat, sich zu unterhalten, musste man das Gespräch bald wieder für längere Zeit unterbrechen, weil der Lockführer die Reisenden immer wieder mit penetrant lauter Stimme umfassend begrüßte oder verabschiedete und dabei lange kein Ende fand.
Schlimmer aber waren die Verzögerungen, da an einem Bahnhof die Umsteigezeit ja sehr kurz bemessen war, wie bereits erwähnt. Glücklicherweise holte der Zug die Verspätungen aufgrund von unerwarteten Zwischenfällen immer wieder rasch auf. Am kritischen Bahnhof aber waren wir schon wieder zu spät dran, diesmal ohne ersichtlichen Grund. Folglich wurde die Reise noch etwas stressiger, da der nächste Zug bereist am Bahnsteig auf Gleis 4 stand, als wir auf Gleis 3 ankamen. Leider wurde bei der Routenplanung auf der Homepage der Deutschen Bahn in Anbetracht der ohnehin schon kurzen Umsteigezeiten nicht berücksichtigt, dass Gleis 3 und 4 nicht am selben Bahnsteig lagen (wie man es erhoffen könnte), so dass es genügt hätte, diesen nur zu überqueren. Um zum Gleis zu kommen, auf dem der Anschlusszug bereits wartete, war es nötig, mit dem gesamten Gepäck eine überfüllte Treppe hinunter und durch die Unterführung zu hechten, um dann die nächsten Treppe hinauf zum Zug zu rennen.
Und dann waren da noch die ständigen Fahrkartenkontrollen. Nun muss man beim gleichen Schaffner nicht immer wieder die Karte rauskramen, da sich diese Menschen unglaublich gut merken können, wer sich bereits ausgewiesen hat. Vor dem Bahnhof, an dem der zeitlich knappe Umstieg anstand, hatten wir bereits alles fertig gepackt, um keine Sekunde zu verschwenden, da stand wieder eine Fahrkartenkontrolle an. Unglücklicherweise hatte diesmal gerade das Personal gewechselt, so dass es doch wieder nötig war, die Unterlagen aus der Tasche zu kramen. Alle Vorbereitungen für einen Raschen Umstieg waren mit einem Schlag zunichte gemacht.
Die Fahrkartenkontrolle im nächsten Zug, diesmal nicht von der Deutschen Bahn, sondern von der Verkehrsgesellschaft Agilis, war dann ein ganz besonderes Erlebnis. Die Frau, die die Karte kontrollierte, wollte die Unterlagen gerade zurückgeben, da wurde sie von einer zweiten Schaffnerin aufgehalten, die sie aufforderte, die Tickets noch einmal zu überprüfen. Nachdem die Kontrolleurin keine Auffälligkeiten entdeckte, wurde sie von der zweiten Schaffnerin darauf hingewiesen, dass der Bahnhof, der auf dem Blatt stand bereits hinter uns lag und gefragt, ob sie darin kein Problem sähe. Was für ein Schreck! Sollte beim Online-Kauf der Karte etwas schief gelaufen sein? Das Rätsel war schnell gelöst. Die Schaffnerin wollte lediglich darauf hinaus, dass es tatsächlich kein Problem ist, wenn hier ein zurückliegender Bahnhof eingetragen ist. Da es sich um ein Bayern-Ticket handelte, spielt dies keine Rolle. Mit diesem Ticket können die Reisenden umherfahren, wo sie wollen. Die Verbindungsangaben stellen nur eine Empfehlung da. Mit dieser kleinen Verunsicherung wollte die Schaffnerin ihre jüngere Kollegin, die sich in der Ausbildung befand, lediglich auf die Probe stellen und darauf hinweisen, dass sie immer erst prüfen muss, um was für ein Ticket es sich genau handelt. Mit dem Ticket war glücklicherweise alles in Ordnung. In Anbetracht der vielen unterschiedlichen Tarife, Karten und Reiseangebote aus den Automaten und den Computerdruckern dieser Welt können einem die Schaffner leidtun. Wie soll man da noch den Überblick behalten? Und wie soll man als normaler Bahngast, der nicht hauptberuflich mit Bahnfahrkarten hantiert und eine lange Ausbildung auf diesem Gebiet bestritten hat, den Überblick behalten?
Nun ja, für die nächste Reise ist wieder das Auto eingeplant. Die Bahn wäre nicht nur unbequemer, sondern würde auch noch viermal so lange brauchen und das achtfache kosten. Das nötige Gepäck ließe sich ohnehin nicht transportieren.