Ein neues Geldsystem

Die Ursachen der aktuellen Finanzkrise sind im Geldsystem fest verankert. Das Zinssystem bewirkt einen beständigen Anstieg an Geldvermögen, das jedoch nur über Kredite in die Welt kommt. Dadurch steigen auch die Schulden. Man spricht hier von Geldvermögen/Schulden Paaren. Zu Beginn ist der Zinsanteil gering, wächst jedoch exponentiell. Nach dem 2. Weltkrieg wuchs die Wirtschaft rasant und es ging den Menschen immer besser. Kaum jemand dürfte geahnt haben, welche Folgen dieses Geldsystem zwangsläufig haben wird. Die Probleme waren noch nicht sichtbar und bei der Freude über den zunehmenden Wohlstand machten sich die Menschen im Allgemeinen keine Gedanken über die Theorie hinter dem System. Erst als die Zinslasten in den letzten Jahrzehnten unverhältnismäßig große Dimensionen erreichte, begann die Zeit der Krisen.
Das kam nicht überraschend, denn die Krisen sind – wie bereits gesagt – ein fester Bestandteil eines Geldsystems, das auf den Zins als Umlaufsicherung setzt. Die Stabilität in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg war also nur eine eine scheinbare Stabilität und die Menschen wähnten sich in einer falschen Sicherheit. Das Geldsystem hätte von Anfang an anders konzipiert sein müssen. Möglichkeiten hierzu zeigen die unterschiedlichen Freigeldwährungen auf, das soll jetzt aber nicht das Thema sein.

Mit diesem Hintergrundwissen sind die Aussagen von Jean-Claude Trichet, sich für eine Neuordnung des Geldsystems wieder auf die Anfänge des Systems zu besinnen, sehr zweifelhaft.

Bereits am Dienstag hatte Jean-Claude Trichet eine Rückbesinnung auf die Disziplin gefordert, die in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg für Stabilität der Weltwirtschaft gesorgt habe.
[..]
Notwendig sei deshalb eine grundlegende Neuordnung nach dem Vorbild der Bretton-Woods-Konferenz 1944.[1]

Quelle: MMnews

Auch weitere Politiker sind ähnlicher Ansicht:

Sarkozy, Gordon Brown und José Manuel Barroso wollen bei einem internationalen Gipfel eine „dringende Verbesserung der weltweiten Finanzarchitektur“ diskutieren; d.h. durch ein neues Bretton Woods soll eine neue internationale Finanzordnung geschaffen werden.[2]

Quelle: Infokrieg

Fraglich ist, wie diese Aussage gemeint ist, da es gewiss nicht mehr möglich ist, eine Währung an Gold zu binden, wie es im Bretton-Woods-System festgelegt ist.[3] Hierfür reichen die Goldbestände nicht. Abgesehen davon ist ein Geldsystem, das auf Gold basiert auch zwangsläufig als Zinssystem zu konzipieren, um die Umlaufsicherung zu gewährleisten. Genau das führt dann wieder zu den Problemen, wie sie in der heutigen Zeit allgegenwärtig sind. Nach diesen Überlegungen würde wieder ein Geldsystem geschaffen werden, das nach einer bestimmten Zeit kollabiert.
Darüber hinaus scheint es Überlegungen zu geben, dieses System weltweit zu etablieren. Dies könnte auf eine Weltwährung oder zumindest große Währungsregionen (Europa, Mexiko/USA/Kanada, Afrika, Asien, …) hinauslaufen. Dabei handelt es sich jedoch vorerst nur um eine Spekulation.

Brown spricht von der Notwendigkeit einer „Vision“: „Gerade die Europäer müssen sich bewusst sein, dass sie die an den Finanzmärkten aufgetretenen Schwierigkeiten nicht europäisch lösen können. Es ist nur global möglich“.[1]

Quelle: MMnews

Währungen, die in einer großen Region verwendet werden, führen zu Problemen. Dadurch, dass es keine Möglichkeit mehr gibt, Produktivitätsunterschiede durch Wechselkurse auszugleichen und Kapitalverschiebungen durch Wechselkurse zu verhindern, entstehen Spannungen. Das Geld würde zu einem großen Teil in die Regionen mit hoher Wirtschaftsleistung fließen, während das Preisgefälle zwischen Ländern mit großer Wirtschaftskraft und Ländern mit geringer Wirtschaftskraft verschwindet.
Dies zeigt sich am Beispiel des Euro und Italien recht gut:

Früher konnte das Land durch Abwertung seine Währungsposition sichern, nunmehr hat es keinen Vorteil mehr gegenüber den starken Staaten.[4] (S. 109)

Quelle: Börsenkrach und Weltwirtschaftskrise


UPDATE (11.03.2009):
Mittlerweile scheint sich die Erkenntnis, dass wirtschaftliche Ungleichgewichte bei einer großräumigen Währung problematisch sein können, auch bei den sogenannten Experten herumgesprochen zu haben:

Studie: Europäischer Währungsunion droht der Zerfall


UPDATE (03.04.2009):
Scheinbar bewegen wir uns tatsächlich in Richtung einer Weltwährung, und zwar über den Umweg von Sonderziehungsrechten.

The G20 moves the world a step closer to a global currency
The world is a step closer to a global currency, backed by a global central bank, running monetary policy for all humanity.[5]

Quelle: Telegraph


Weiterführende Artikel:

Zur aktuellen Geld- und Bankenkrise und zur Abwendung einer Weltwirtschaftskrise
Europäer skizzieren neues Weltfinanzsystem


Literaturverzeichnis:
[2]
Führungsfiguren der EU fordern eine Weltwährung; Kurt Nimmo; http://infokrieg.tv/eu_weltwaehrung_2008_10_18.html; 18.10.2008
[3]
Bretton-Woods-System; Jürgen Pätzold; http://www.juergen-paetzold.de/Begriffe/Bretton-Woods.html
[4]
Börsenkrach und Weltwirtschaftskrise; Günter Hannich; Börsenkrach und Weltwirtschaftskrise
[5]
The G20 moves the world a step closer to a global currency; Ambrose Evans-Pritchard; http://www.telegraph.co.uk/finance/comment/ambroseevans_pritchard/5096524/The-G20-moves-the-world-a-step-closer-to-a-global-currency.html; 03.04.2009