Ein ganz besonderes Geschäftsmodell der Deutschen Post

Vor einiger Zeit hatte ich Dokumente mit der Post verschickt, die vom Empfänger zu unterschreiben und weiterzuleiten waren. Leider hat die Deutsche Post hin und wieder Probleme, ihre grundlegendste Aufgabe zu erfüllen: Briefe unversehrt von einem Ort zu einem anderen zu transportieren. Der Brief ist leider zerknickt angekommen. Gut, das kann aufgrund der Massenabfertigung in den großen Sortieranlagen durchaus passieren. Also habe ich die Dokumente erneut ausgedruckt und in einer verstärkten Versandtasche verschickt … und wieder kamen die Dokumente geknickt beim Empfänger an. Diesmal hat der Postbote einfach die Versandtasche in der Mitte gefaltet und in den Briefkasten gesteckt. Da fragt man sich dann schon, was das soll. Aus welchem Grund verschickt man Unterlagen wohl in einer extra verstärkten Versandtasche? Vermutlich, dass sie NICHT geknickt werden! Wie kommt man denn dann auf die selten dämliche Idee, eine solche Versandtasche, die den Inhalt auf dem Postweg schützen soll und nicht ganz billig ist, einfach zu falten?
Ich hatte ja schon überlegt auf den den Umschlag zu schreiben, dass er nicht geknickt werden soll. Aber die Sortiermaschinen werden einen solchen Hinweis bestimmt nicht lesen und den Brief dann mit besonderer Vorsicht verteilen und ein Postbote sollte sich ja denken können, dass besonders geschützte Inhalte eine besondere Umsicht erfordern. Aber scheinbar muss man den Mitarbeitern bei der Post bei jedem Brief genau erklären, wie ihr tägliches Handwerk funktioniert:

  • Postsendung in den Briefkasten des Empfängers werfen.
  • Wenn die Postsendung nicht in den Briefkasten passt, dann klingeln.
  • Wenn niemand anzutreffen ist, der die Postsendung entgegennehmen kann, dann bei der nächsten Postdienststelle hinterlegen und einen Benachrichtigung in den Briefkasten werfen.

In einer Welt, in der man auf Kaffeebecher „Vorsicht, Inhalt heiß!“ schreiben muss und darauf hinweisen sollte, dass Klobürsten nicht zum Zähneputzen geeignet sind und Mikrowellenöfen nicht zum trocknen von Haustieren verwendet werden dürfen, wundert mich bald nichts mehr.

Natürlich wird sich der ein oder andere Empfänger beschweren, wenn er ständig zur Postfiliale laufen muss, um dort die Briefe abzuholen, die nicht in seinen Briefkasten passen. Aber hier würde ein größerer Briefkasten Abhilfe schaffen, wenn man häufiger große Post erhält, als in den aktuellen Briefkasten passt. Dass der Postbote dem Empfänger die Unannehmlichkeiten ersparen möchte, die nächste Filiale aufzusuchen, die dank der „Umstrukturierungsmaßnahmen“ mitunter auch nicht mehr gerade in der Nähe ist, lässt sich nachvollziehen. Außerdem stehen Postboten unter Zeitdruck. Aber damit sollte man nicht die Zerstörung des Eigentums anderer Menschen begründen. Unterlagen, die in einem besonders stabilen Umschlag mit verstärkter Rückseite versendet werden zu zerknicken, weil es so am schnellsten geht ist überaus fragwürdig. Wenn man ein Fahrzeug, das gepflegt ist und sich in gutem Zustand befindet zur jährlichen Wartung und Inspektion in eine Werkstatt bringt und es dann völlig zerkratzt zurückerhält und dazu die normale Werkstattrechnung präsentiert bekommt, würde man dies wohl auch nicht akzeptieren. Auch nicht, wenn der Mechaniker versichert, dass er nun mal in Eile war und keine Zeit hatte, eine ausreichend große Lücke beim Umparken auf dem Hof der Werkstatt zu suchen und sich dachte, dass der Kunde das Auto lieber schnell als unversehrt zurückhaben wolle. Mit einer solchen Begründung würde wohl keine Mechaniker oder Werkstattinhaber durchkommen. Bei der Post scheint ein rücksichtsloser Umgang mit dem Eigentum anderer, das diesem Unternehmen anvertraut wurde, jedoch selbstverständlich zu sein und vielleicht sogar zum Geschäftskonzept zu gehören.

Wenn der Postbote nach dem Motto „was nicht passt, wird passend gemacht“ verfährt, spart das Unternehmen Zeit. Und Zeit ist bekanntlich Geld. Zudem kann die Post damit rechnen, dass zerstörte Unterlagen eventuell erneut gesendet werden müssen und dafür ist natürlich auch das Porto zu bezahlen. Eine tolle Gewinnoptimierungsstrategie für die Post. Man macht einfach die Unterlagen der Kunden kaputt und der Kunde muss immer wieder für den erneuten Versand bezahlen. Ein grundsolides Geschäftsmodell mit vorbildlicher Kundenbindung!