Du sollst nicht lügen?

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er dann die Wahrheit spricht – weiß der Volksmund zu berichten. Nun ist es jedoch so, dass die Menschen jeden Tag aufs neue belogen werden und dennoch immer wieder auf die Lügen „hereinfallen“. Scheinbar verliert die überlieferte Weisheit ihre Gültigkeit mit der Anwendung immer neuer Erkenntnisse der Massenpsychologie. Am Beispiel der allgegenwärtigen Werbung, wird dies deutlich. Die Darstellung der beworbenen Produkte hat oftmals wenig mit dem eigentlichen Produkt gemeinsam. Den potentiellen Konsumenten wird bewusst eine völlig falsche Vorstellungen von der Realität gegeben. Mit bunten Bildern und falschen Versprechen wird der unbedarfte Kunde in eine Welt der Lügen entführt, wie mit dem Projekt PUNDO3000 „Werbung gegen Realität“ gezeigt wird. Das Projekt vergleicht 100 Produkte mit ihren Werbefotos.

Werbung und Realität


Ein beliebter Trick ist es auch, Bilder die angenehme Emotionen hervorrufen, mit dem Produkt zu verknüpfen, das beworben werden soll. Möchte eine Firma ein Fahrzeug verkaufen, zeigt sie in den Werbespots zunächst eine schöne Landschaft, die beispielsweise das Gefühl von Freiheit vermittelt. Dazu wird dann das Fahrzeug präsentiert. Nach einiger Zeit werden die angenehmen Emotionen der Freiheit, die die Landschaft vermittelt, auch dann zu spüren sein, wenn nicht mehr die Landschaft zu sehen ist, sondern nur noch das Fahrzeug. Dies nennt man Konditionierung und wurde bereits vom russischen Mediziner und Physiologe Iwan Petrowitsch Pawlow erforscht. Er verband die Gabe von Futter für einen Hund immer mit einem Glockenton. Nach einigen Wiederholungen setzte beim Hund auch dann der Speichelfluss ein, wenn lediglich der Glockenton erklang.



Trotz der unzähligen Lügen der Werbung lassen wir uns stärker denn je von ihr beeinflussen, oftmals ohne es zu merken. Möglicherweise glauben wir den Versprechen nicht bewusst, aber im Unterbewusstsein werden die „Vorzüge“ der Produkte in uns verankert und zukünftige Kaufentscheidungen beeinflusst. Besonders raffiniert ist hier Werbung, die unterhalb der Wahrnehmungsschwelle liegt (subliminal advertising). Dabei wird das Produkt, welches beworben wird vom Konsumenten nicht bewusst wahrgenommen. Das ist beispielsweise möglich, indem ein Bild des Produkts immer wieder für Sekundenbruchteile in einem Film einblendet wird. Der Zuschauer wird nicht merken, dass er Bilder von dem Produkt gesehen hat, unbewusst hat er die Bilder jedoch registriert.[1]
UPDATE 30.05.2011: Wie der Spiegel berichtete, wirkt diese Art der Beeinflussung zwar nur in engen Grenzen und bei bestimmten Voraussetzungen, aber in verschiedenen Versuchen konnte tatsächlich eine Beeinflussung nachgewiesen werden. Allerdings sind mit diesem Thema viele Halbwahrheiten und Desinformationen verbunden. So war einer der ersten Berichte bezüglich unterschwelliger Werbung nur erfunden: Im Jahr 1957 behauptete der US-amerikanischen Werber James Vicary, das versteckte Hinweise in einem Kinofilm die Besucher zum essen von Popcorn und zum trinken von Cola animiert haben solle und untermauerte die Aussagen auch mit Zahlen – die aber frei erfunden waren.[2]


Literaturverzeichnis:
[1]
unterschwellige Werbung (unterschwellige Wahrnehmung); http://www.medialine.de/deutsch/wissen/medialexikon.php?snr=5699
[2]
Wie versteckte Werbung wirkt; Nina Weber; http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,760564,00.html; 28.05.2011

2 Antworten auf „Du sollst nicht lügen?“

Kommentare sind geschlossen.