Die Zeit des Wachstums ist vorbei

Den geneigten und vermutlich auch den ungeneigten Lesern dieses Blogs ist sicher nicht entgangen, dass ich – im Gegensatz zu den renommierten Wirtschaftswissenschaftlern und hochdotierten Experten im Bereich des Finanzsystems – nicht der Meinung bin, dass ein unbegrenztes, exponentielles Wachstum in einer Welt mit begrenzten Ressourcen beliebig lange realisierbar ist. Früher oder später muss jedes Wachstum zum Stillstand kommen. Nun scheint sich dieses Wissen auch in den Mainstream-Medien durchzusetzen. So titelte der Spiegel jüngst: „Wachstum? Diese Zeiten sind vorbei[1]. Weiter schreibt der Autor Wolfgang Kaden, dass die Griechenland-Krise gezeigt hat, dass Wachstum auf Pump nicht mehr funktionert und folglich auch das deutsche Wirtschaftsmodell zur Disposition steht. In einer Zwischenüberschrift ist zu lesen: „Der zentrale Glaubenssatz steht zur Disposition“. Der zentrale Glaubenssatz … Das heutige Wirtschaftsmodell basiert also nach Meinung des Autors nicht auf Wissen, sondern auf einem Glauben! Schön, dass die Qualitätsmedien dies endlich auch erkannt haben.

Wir sollten den Griechen dankbar sein. Sie haben das verlogene Schuldenspiel so grotesk überzogen, dass nun weit über den Hellenen-Staat hinaus das Modell eines Gemeinwesens, das sich immer aufs Neue Wachstum und Wohlleben mit Krediten erkauft, keine Zukunft mehr hat.[1]

Quelle: Der Spiegel

Dem ist nichts hinzuzufügen. Der Autor scheint erkannt zu haben, dass grenzenloses Wachstum nicht realisierbar ist. Was er aber noch nicht verstanden hat ist, wo der Wachstumszwang herrührt.

Wird es den Industriestaaten der entwickelten Welt gelingen, die Wende einzuleiten? Gibt es Hoffnung auf staatliche Haushalte, in denen nur noch so viel ausgegeben wird, wie durch Steuern und Gebühren hereinkommt?[1]

Quelle: Der Spiegel

Er weiß offensichtlich nicht, dass dieser Zwang systemimmanent ist und mit den Zinsen in Zusammenhang stehen. Dem weiteren Text kann man entnehmen, dass er davon ausgeht, dass es reicht, die Schulden in Zeiten des Aufschwungs abzubauen, um eine Kriese wie die Aktuelle von vorne herein zu verhindern. Dabei ignoriert der Autor, dass bei einem Abbau der Schulden auch die Geldvermögen verschwinden. Irgendwann gibt es dann kein Geld mehr und die Wirtschaft kommt zum erliegen.

Seitens der renomierten Wissenschaft ist keine Lösung zu erwarten, wie auch Wolfgang Kaden einsieht:

Die Wirtschaftswissenschaft hält bislang keine Rezepte bereit, wie denn eine Wirtschaft mit weniger oder gar keinem Wachstum funktionieren könnte; die Professoren sind dem Dogma des steten Zuwachses genauso verfallen wie Politiker und Unternehmer. Noch vor kurzem forderte der Münchner Ökonom Hans-Werner Sinn von der Politik, „die Ausgaben im nächsten Jahr auf keinen Fall zurückzufahren“ und sich sogar „weiter zu verschulden“.[1]

Quelle: Der Spiegel

Jahrzehnte lange Forschung, um dann sagen zu können: „Verschuldet euch, dann wirds schon“! Was für eine traurige Bilanz. Kritische Stimmen, die schon lange vor der Problematik warnten und deren Überlegungen nun Tag für Tag aufs Neue bestätigt werden, finden aber nach wie vor kein Gehör. Dabei wäre es an der Zeit, neue Wege zu gehen und Ansätze in Betracht zu ziehen, die bislang nicht betrachtet wurden. Aber vielleicht ist es dafür noch zu früh. Vielleicht sind die Menschen noch nicht so weit …


Literaturverzeichnis:
[1]
Wachstum? Diese Zeiten sind vorbei; Wolfgang Kaden; http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,695286,00.html; 18.05.2010