Die Wahl der Lügner

Immer wieder bekomme ich zu hören, dass ich wählen gehen soll, da ich sonst dafür verantwortlich bin, wenn eine Partei „an die Macht kommt“, die Dinge tut, welche schlecht für die meisten Menschen sind.
Um aber eine fundierte Entscheidung treffen zu können, ist sehr viel wissen nötig. Zunächst einmal muss man natürlich das Wahlprogramm ALLER Parteien kennen, die zur Wahl stehen. Andernfalls kann man die einzelnen Programme nicht im Verhältnis zu den übrigen Programmen bewerten. Dann muss man sich mit den Kompetenzen der jeweiligen Politiker bezüglich ALLER Themen auseinandersetzen, die von Bedeutung sind, und muss natürlich selbst kompetent in ALLEN Themenbereichen sein. Nur so kann man einschätzen, ob eine Partei überhaupt in der Lage ist, ihr Wahlprogramm umzusetzen. Darüber hinaus muss man die persönlichen und geheimen Interessen und Ziele der Politiker kennen, da man sonst nicht abschätzen kann, was die gewählten Politiker wirklich vorhaben. Auch die Einflüsse von Lobbygruppen und die Verstrickungen mit der Wirtschaft sind zu berücksichtigen.
Wenn man all diese Informationen zusammengetragen hat, kann man sich möglicherweise ein ausreichend umfassendes Bild machen, um bei der Wahl eine begründete Entscheidung treffen zu können. Nun ist es aber so, dass man dann immer nur einen Teil, einen Part, des Ganzen wählen kann, wie auch schon aus der Bezeichnung „Partei“ hervorgeht. Und von diesem Teil, den die Partei vertritt möchte, muss man dann alles nehmen. Man kann nicht sagen, ich möchte von vielen Parteien ein Teil des Wahlprogramms unterstützen, und von keiner Partei das gesamte Programm.

Damit aber noch nicht genug der Probleme. Die Informationen, die man als normaler Bürger bekommen kann, sind nicht sicher. Jedes Wort kann gelogen sein. Viele wichtige Fakten werden verheimlicht. Unwichtige Dinge werden lautstark verkündet.
So ist in einem Online-Artikel der Zeitung „Die Welt“ zu lesen:[1]

In Frankreich ist derzeit kein Wahlkampf. Und so kann die Politik Wahrheiten gelassen aussprechen. [..]

In Deutschland ist derzeit Wahlkampf. Und so kann die Bundesregierung Wahrheiten nicht gelassen aussprechen.

Quelle: Die Welt

Hier steht ganz unverblümt, dass die Wahrheit während des Wahlkampfes nicht mehr gesagt werden kann. Schon das Wort Wahlkampf ist sehr bezeichnend, weil es verdeutlicht, dass es in der Politik nicht darum geht, gemeinsam die Probleme zu lösen, die uns betreffen. Es geht darum, andere niederzukämpfen und selbst die begehrten Posten zu besetzen. Wie im Krieg. Und wie im Krieg stirbt auch in der Politik zuerst die Wahrheit. So schreibt es sogar die Zeitung.
Wie soll man unter solchen Bedingungen guten Gewissens irgend einen Politiker oder eine Partei wählen?


Literaturverzeichnis:
[1]
Euro-Rettung – Nach der Wahl gibt's die Rechnung für Steuerzahler; Die Welt; Martin Greive; http://www.welt.de/politik/deutschland/article118900219/Nach-der-Wahl-gibts-die-Rechnung-fuer-Steuerzahler.html; 11.08.2013