Die vermeintliche Alternative

Damit ein Politiker ein höheres Amt erreichen kann, benötigt er in einer sogenannten Demokratie genügend „Stimmen“, also die Zustimmung der Bürger. Sein Fokus liegt also darauf, ohne großen Widerstand so viele Stimmen wie möglich „zu bekommen“. Sein Ziel ist nicht so sehr, im Sinne der Bürger zu handeln. Man könnte meinen, dass es so wäre, denn der naheliegende Schluss ist ja, dass ein Politiker nur gewählt wird, wenn er im Sinne der Menschen im Land handelt, die er vertreten soll.
Dies ist aber sehr wahrscheinlich ein Trugschluss. Wir entscheiden uns nicht für ein Produkt, dass gut für uns ist und bei dem wir die Qualität überprüft haben. Wir sehen und hören permanent Werbung für Produkte, die objektiv betrachtet minderwertig und ungesund sind. Suggeriert wird uns aber, dass es sich bei den beworbenen Artikeln und tolle Dinge handelt, die wir unbedingt benötigen. Wir wissen, dass die Werbung lügt … und kaufen dennoch. Wir kaufen so viel von dem Zeug, dass die Hersteller tausende Euro für ein paar Werbesekunden im Fernsehen zahlen können und dennoch Milliardengewinne einstreichen. Vermutlich wird jetzt jeder Leser empört sagen „auf mich trifft das nicht zu“. Bei einigen wird das vielleicht sogar stimmen. Aber die große Masse lässt sich durch die Werbung zum Kauf von schlechten Produkten animieren, die der Gesundheit und dem Wohlbefinden schaden. Andernfalls würde wohl kaum ein Unternehmen in Werbung für schlechte Produkte investieren und stattdessen qualitativ hochwertige Waren herstellen, die nicht beworben werden. Abgesehen davon sind wir so sehr von schlechten Produkten umgeben, das wir kaum eine Alternative haben. Egal, was wir im Laden kaufen, es wird nicht gesund sein. Lebensmittel sind voller Zucker und Fett oder mit Pestiziden, Fungiziden und Herbiziden behandelt. Kleider sind mit giftigen Farben getränkt. Spielzeug ist aus Plastik.
Wir lassen uns ganz offensichtlich von Versprechen leiten, die mit der Realität wenig zu tun haben. Wir wissen das und dennoch handeln wir zu unserem Nachteil. Nicht die Firma gewinnt, welche gute Produkte herstellt, sondern der Konzern, der die beste Marketingabteilung und das nötige Kapital hat. Und genau so läuft es auch in der Politik. Die Masse wählt nicht die Politiker, die in ihrem Sinne entscheiden. Sie wählt die Politiker mit dem besten Marketing. Kennen Sie irgend jemanden, der jeden Tag viele Stunden damit verbringt und auch die nötige Kompetenz hat, die Aussagen sämtlicher Politiker zu verfolgen, zu analysieren und zu bewerten? Wohl kaum. Gewählt wird derjenige, der das beste Marketing betreibt und die schönsten Versprechen von sich gibt. Oder warum sollten sonst vor einer großen Wahl tausende Plakate mit Gesichtern von Politikern und nichtssagenden aber schön klingenden Floskeln aufgestellt werden? Verweise auf Parteiprogramme mit den Plänen für die Zukunft, in der Vergangenheit geleistete Arbeiten und weiterführende Informationen wird man auf den Plakaten vergeblich suchen. Dabei wäre letzteres Informationen viel wichtiger für die Wähler, als ein Gesicht und ein hübscher Spruch, damit sie eine fundierte Entscheidung treffen können.
Und wie auch im Laden haben wir ohnehin keine echte Alternative. Auch wenn es Parteien gibt, die die das Wort „Alternative“ im Namen tragen, so unterstützen auch sie nur das etablierte System, das aber immer wieder bewiesen hat, dass es nicht funktioniert. Eine echte Alternative bietet keine der Parteien. Es handelt sich nur um Varianten. Die einen sind etwas bürgernäher, die anderen etwas konzernnäher aber am Ende führen sie zum gleichen Ergebnis: Grenzenloses Wirtschaftswachstum und exponentielle Ausweitung der Geldmenge auf Kosten der Bevölkerung und der Umwelt zu Gunsten einer kleinen elitären Gruppe.
Und die Politiker? Die möchten davon profitieren ohne auf zu viel Widerstand zu stoßen. Also versprechen sie den Bürgern vor der Wahl „das blaue vom Himmel“ um nach der Wahl dann doch das umzusetzen, was die Lobbyisten der Konzerne fordern. Dann sind alle Glücklich. Die Bürger meinen, sie hätte ein Mitspracherecht. Die Politiker streichen bequem unverschämt hohe Diäten ein. Die Konzernbosse können ohne Rücksicht auf Mensch und Umwelt die Gewinne weiter steigern. Das geht so Jahr für Jahr. Bis die Zustände irgendwann nicht mehr erträglich sind und das System zusammenbricht. Dann wird wieder ein solch schädliches System aufgebaut und wieder werden die Menschen viele Jahrzehnte lang brav wählen gehen und sich darüber wundern, das trotzdem alles immer schlimmer wird und die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden. Die Schuld wird dann wieder auf die „Nichtwähler“ geschoben, die sich nicht von der Werbung einlullen ließen und erkannten, dass es eigentlich keine wählbare Alternative gibt.