Die Jagd: notwendiges Übel oder freudiger Zeitvertreib?

Dass wir dabei die Mehrheit der Bevölkerung auf unserer Seite haben, hat 2011 eine Umfrage des Bayerischen Jagdverbandes deutlich gemacht: 89 Prozent der Befragten waren davon überzeugt, dass Jäger die Natur schützen und lieben, 70 Prozent sprachen sich ohne Abstriche für den Erhalt der Jagd aus.[1] (S. 29)

Wenn tatsächlich ein großer Teil der Bevölkerung der Meinung ist, dass Jäger die Natur schützen und lieben, wie es der aktuellen Ausgabe einer Jagdzeitschrift zu entnehmen ist, dann fehlt es diesen Menschen möglicherweise an Informationen. Nicht die Natur steht bei der Jagd sehr häufig im Vordergrund, sondern Trophäen und der Spaß am Töten. Dies wird schon ersichtlich, wenn man eben diese Zeitschrift, aus der das Zitat stammt, genauer durchliest. Nachfolgend einige Zitate, die Aufschluss über die Intentionen der Jäger geben. Eine besondere Bedeutung kommt den Trophäen zu, die wesentliches Kriterium einer erfolgreichen Jagd zu sein scheinen und natürlich hat die persönlichen Freude am jagen und töten ein großes Gewicht.

Der Dammspießer ist biologisch gesehen natürlich ein Hirsch, aber mit seinen beiden kurzen Piekern kaum das, was wir bei dem Wort „Hirsch“ vor Augen haben. Was nicht heißen muss, dass man sich über solch einen kleinen Hirsch nicht riesig freuen kann! Wie für viele Jäger, so war auch mein erster Hirsch damals „nur“ ein Dammspießer – es war für mich Jungjäger ein großes jagdliches Erlebnis und seine Trophäe bekam natürlich einen Ehrenplatz.[2] (S. 16)

Es wird also eher weniger darüber diskutiert, ob es aus biologischer Sicht oder für das eigene Überleben nötig ist, ein Tier zu töten, und dafür eher mehr über die Form des Geweihs, wie auch die folgenden Zitate zeigen.

Viele Dammwildkenner messen der Stärke der Kolben mehr Bedeutung zu als der Stangenlänge.[2] (S. 17)

Für die Randreviere ist so ein Damspießer auf Sommerwanderschaft oft das einzige Stück Damwild, das man über das Jahr erlegen wird – und die Freude sei ihnen von Herzen gegönnt, schließlich hat man dort ja auch den Widschaden in der Feldfrucht.[2] (S. 17)

Aber welchen Vorteil hat es, die Junghirsche erst mit dem zweiten Kopf zu erlegen? Aus jagdlicher Sicht ist der Mehrwert offensichtlich: Die Trophäe des Kniepers ist schon ein richtiges Hirschgeweih und wird den meisten Jäger mehr Freude bereiten als die Spieße des Jährlings.[2] (S. 17-18)

Uneinig ist man, ob nun die Gesamtlänge oder die Dicke der Kolben das wichtigere Kriterium ist.[2] (S. 18)

Wie beschrieben erlaubt einem [die Schonung von Damspießern] ein leichteres Ansprechen der Hirsche, mehr jagdliche Freude und mehr Wildbrett.[2] (S. 18)

Weil man nach Erlegung des Spießers im Sommer je nach Gesamtabschuss unter Umständen seine Berechtigung auf Erlegung eines Kniepers verwirkt hat, wird aus dem ein oder anderen Spießer in der Abschussmeldung schnell mal ein Damschmaltier. [..] es empfielt, die Spießer (und -schmaltiere) in die Jugendklasse mit den Kälber zu nehmen. Die Gründe sind vor allem jagdlich und nicht wildbiologisch – ein Revierinhaber verliert so mit einem Spießerabschuss nicht seine Chance auf einen „richtigen“ Hirsch, einen Knieper.[2] (S. 19)

Sehr deutlich zeigen auch folgende beiden Aussage, dass der Spaß der Jäger im Vordergrund steht:

Ziel des Jagdherren, der zu einer größeren Niederwildjagd geladen hat,ist es, seinen Jagdfreunden einen erlebnisreichen Jagdtag zu kredenzen.[3] (S. 56)

Hat es bereits mehrmals geknallt, so machen [die Gänse und/oder Enten] sich aus dem Staub, ohne dass sie uns an diesem Tag jagdliche Freude bereiten.[3] (S. 56)

Ja, das sind vielleicht egoistische Tiere. Hauen einfach ab, anstatt sich zur Freude der Jäger abknallen zu lassen.

Die Frage ist nicht, welche Tiere aus Sicht des Gleichgewichts des Ökosystems getötet werden müssen (was abartig genug wäre), sondern die Frage ist, welche Tiere am meisten Spaß bereiten, wenn sie „zur Strecke gebracht“ werden.

Jeder Jagdherr wird sich Gedanken machen, welche Wildart am geeignetsten ist, die Strecke aufzuwerten.[3] (S. 57)

Diese Einstellung zur Jagd klingt nicht, als ob es sich dabei um ein notwendiges Übel handelt, um das Gleichgewicht in der Natur zu erhalten. Es kling viel mehr, als haben die Jäger eine unglaubliche Freude am Abschuss von Lebewesen. Offensichtlich ist ihnen jegliches Mitgefühl mit den Tieren abhanden gekommen.


Literaturverzeichnis:
[1]
Der Kampf um die Sprache; Jäger, Zeitschrift für das Jagdrevier, 10/2012; Georg Fuchs; 24.09.2012
[2]
"Nur" ein Spiesser; Jäger, Zeitschrift für das Jagdrevier, 10/2012; Christian Holm; 24.09.2012
[3]
Stockeln statt Treiben; Jäger, Zeitschrift für das Jagdrevier, 10/2012; Gerhard Henrici; 24.09.2012