Die hohen Kosten des billigen Atomstroms

Atomstrom sei billig, so verkünden es zumindest die Befürworter der Stomerzeugung durch Atomkraftwerke. So ganz billig scheint Atomstrom aber doch nicht zu sein. Nicht nur, dass die Anlagen nur durch staatliche Subventionen beim Aufbau rentabel sind, nun wollen die großen Konzerne die Kosten und vor allem auch die Risiken für die Abschaltung und die „Endlagerung“ der Abfälle auf den Staat abschieben.

Die Chefs der drei großen Energieversorger, Johannes Teyssen (E.on), Peter Terium (RWE) und Frank Mastiaux (EnBW), wollen ihr gesamtes deutsches Atomgeschäft inklusive der Atommeiler an den Bund übertragen.[1]

Quelle: Der Spiegel

Nachdem die Konzerne mit den Kraftwerken jahrelang unvorstellbare Gewinne eingefahren haben, sollen die Meiler nun in eine öffentlich-rechtliche Stiftung übertragen werden, welche die Atomkraftwerke bis zum endgültigen Ausstieg aus der Kernenergie im Jahr 2022 betreibt. Darüber hinaus soll die Stiftung für den milliardenteuren Abriss der Atomkraftwerke und die Lagerung der radioaktiven Abfälle verantwortlich sein.

Wie der SPIEGEL weiter berichtet, haben die Strombosse die Bundesregierung schon vor Wochen über Grundzüge ihres Geheimplanes informiert.[1]

Quelle: Der Spiegel

Es ist schlimm genug, dass Atomstrom den Bürgern als „billig“ angepriesen wird, während die Verantwortlichen einfach alle Kosten auf die Steuerzahler abwälzen. Aber eine ungeheuerliche Frechheit ist es, die Pläne für die Übertragung der Kosten und Risiken auf die Steuerzahler geheimzuhalten und mit den gewählten „Volksvertretern“ nur hinter verschlossenen Türen abzusprechen. Wie sollen die Bürger bei politischen Wahlen fundierte Entscheidungen treffen, wenn solch wichtige Themen, die jeden betreffen, den Wählern nichteinmal bekannt sind und erst Wochen, Monate oder gar Jahre später ans Licht der Öffentlichkeit dringen?
Die Bosse der Atomkonzerne wollen in Kürze mit der Bundesregierung in Verhandlungen treten. Dabei soll es laut SPIEGEL auch um anhängige Klagen und Schadensersatzforderungen der Atomindustrie in Höhe von mehr als 15 Milliarden Euro gegen die Bundesregierung gehen.

Bei einer Einigung über die Stiftung wären die Strombosse nach Informationen des SPIEGEL möglicherweise bereit, die eine oder andere Klage zurückzuziehen oder auf Schadensersatz zu verzichten.[1]

Quelle: Der Spiegel

Eine beachtliche Aussage. Diese wird vermutlich juristisch so spitzfindig formuliert sein, dass man nicht von „Erpressung“ sprechen kann. Aber ein gewisses Gschmäckle bleibt doch zurück.

Wenn die Kosten dann zukünftig direkt auf die Steuerzahler umgelegt werden, dürfte die Staatsverschuldung rasant weiter steigen und Finanzminister Schäuble’s Träume von einer Zeit ohne staatliche Neuverschuldung werden sich strahlend in der Luft auflösen.


Fazit:

Atomkonzerne lassen sich die Forschung und den Aufbau der Anlagen vom Steuerzahler bezahlen, stellen den Bürgern dann den Strom in Rechnung und lassen ihn für den Abriss der Kraftwerke und die Lagerung der Abfälle bezahlen. Wenn die Regierung den Konzerne hin und wieder Auflagen macht, verklagen die Konzerne die Regierung und verwenden diese Klagen später ganz unverhohlen als Druckmittel, um weitere Vergünstigungen durchzusetzen. Ein perfider Plan! Atomstrom ist somit nur für die Konzerne billig, weil diese die Kosten und auch die Risiken auf die Steuerzahler abwälzen können. Für die Steuerzahler ist Atomstrom gewiss nicht billig, denn die nächsten Jahrtausende werden die Menschen für die entstandenen Schäden und die Kosten der „Endlagerung“ aufkommen müssen.


Literaturverzeichnis:
[1]
Plan der Energie-Konzerne – Bund soll Abriss von Atom-Meilern finanzieren; Der Spiegel; http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/atomkraftwerke-energiekonzerne-fordern-bad-bank-vom-bund-a-968719.html; 11.05.2014