Die Folgen des Reichtums für Mensch und Umwelt

Es gibt einige Menschen, die sehr reich sind. So wird beispielsweise das Vermögen des Gründers einer bekannten Software-Firma auf 76 Milliarden Dollar[1], also umgerechnet etwa 59 Milliarden Euro, geschätzt. An dieser Stelle soll es aber nicht darum gehen, ob es gerecht ist, dass ganz wenige Menschen so reich sind, während viele Menschen nicht wissen, wie sie das Mittagessen bezahlen sollen. Vielmehr soll an dieser Stelle betrachtet werden, welche Folgen der Reichtum einiger für die Umwelt und die anderen Menschen hat.

Wer viel Geld hat, wird dieses Geld gewiss nicht unter dass Kopfkissen legen, sondern gewinnbringend anlegen oder investieren. Nehmen wir einen eher bescheidenen Zinssatz von 5 Prozent an, zu dem die 59 Milliarden Euro jährlich verzinst werden, so steigt das Vermögen ohne Zutun des Besitzers um 2,9 Milliarden Euro pro Jahr. Steuern werden nicht in nennenswertem Umfang anfallen, schließlich spart der Reiche gewiss in einem Steuerparadies. Es dürfte sich bei den Zahlen also um Netto-Einkommen handeln.
So viel Geld kann man nur schwer ausgeben und folglich werden sich die Vermögenden nicht damit begnügen, am Wochenende eine Radtour mit der Familie zu machen oder den Nachmittag in einem öffentlichen Hallenbad zu verbringen.

Die reichen Menschen werden eher zu einer Luxuskreuzfahrt aufbrechen.

Luxuskreuzfahrt für Superreiche: Für 1,2 Millionen Euro um die Welt

Oder sich einen Hubschrauber kaufen um damit am Wochenende zum Golftreffen zu fliegen.

Messe für Superreiche: Helikopter-Shopping an der Côte d’Azur

Oder gleich einen Weltraumflug buchen, um zu den ersten zu gehören, wenn der Weltraumtourismus Realität wird.

Touristen können bald Urlaub im Weltraum machen

Das solche Hobbys nicht unbedingt mit Umweltschutzzielen vereinbar sind, versteht sich von selbst.

US-Wissenschaftler haben vor zwei Jahren schon einmal davor gewarnt, dass die größte Belastung der Flüge von Rußpartikeln ausginge, die in der Stratosphäre von den Hybrid-Triebwerken freigesetzt und dort für Jahre bleiben würden. Bei tausend Flügen würden 600 Tonnen Rußpartikel gebildet und Schleier verursacht werden, die sich über große Gebiete der nördlichen Halbkugel ausbreiten und merkliche Folgen für das globale Klima haben würden.[2]

Quelle: Telepolis

Aber was soll man machen, wenn man so viel Geld hat und sich diese Dinge leisten kann? Wer würde eine Luxuskreuzfahrt oder zu einem Flug ins All ablehnen, wenn er die Chance bekäme? Vermutlich kaum jemand. Zumindest würden die wenigsten Menschen eine solche Möglichkeit ausschlagen, weil es der Umwelt schadet.
Den Reichen soll an dieser Stelle also kein Vorwurf gemacht werden. Das Problem liegt eher im Geldsystem, welches es nicht nur zulässt, sondern förmlich erzwingt, dass ganz wenige Menschen unvorstellbar reich werden und diesen Reichtum nichteinmal selbst erarbeiten müssten. Wenn jeder nur so viel Geld hätte, wie er selbst erarbeiten kann, dann gäbe es natürlich auch Menschen, die reicher sind als andere. Aber es wäre wohl niemand zig-millionen mal reicher als nahezu alle anderen Menschen auf der Welt, denn kein Mensch kann so viel mehr leisten als anderen. Das Verhältnis wäre ausgeglichener und damit wäre es auch nicht möglich, dass ein paar Menschen problemlos Aktivitäten nachgehen können, die so viele Ressourcen verschwenden, wie ein kurztrip ins All.

Zurück zu den Zinsen von 2,9 Milliarden Euro, die der ein oder andere Supperreiche jedes Jahr zusätzlich an Zinseinnahmen auf seinem Konto verbuchen kann. Ein Netto-Jahresgehalt von 50.000 Euro dürften auch in Deutschland nur wenige Menschen aufs Konto überwiesen bekommen. Wir rechnen aber doch einmal mit dieser Zahl, weil sie irgendwo zwischen den gewöhnlichen niedrigen Einkommen und den noch nicht ungewöhnlich hohen Einkommen liegt.
Ein Arbeitnehmer mit einem Jahresgehalt müsste 58.000 Jahre arbeiten, um das Geld zu erwirtschaften, das ein Superreicher ohne eigenes Zutun aufs Konto überwiesen bekommen, wenn er 2,9 Milliarden Euro Zinsen im Jahr einstreicht.
Nun kann man überlegen, wie viel Energie man im Jahr verbraucht, um morgens zur Arbeit zu kommen, wie viel Energie am Arbeitsplatz verbraucht wird und wie viel Energie notwendig ist, um am Abend wieder nach Hause zu pendeln. Dann multipliziert man diesen wert mit 58.000 und man hat eine Vorstellung davon, wie viel Energie benötigt wird, um das Geld aufzutreiben, das komplett einer Person zufließt, die ohnehin schon so reich ist, dass sie keine realistische Chance hat, das Geld irgendwie sinnvoll auszugeben.
Verrückt, oder? Damit aber nicht genug. Während in unserer Gesellschaft Lebenszeit und Energie verschwendet werden, um Geld für Menschen zu erarbeiten, die es überhaupt nicht brauchen, weil sie schon mehr haben, als sie ausgeben können, reicht das Einkommen vieler arbeitende Menschen nicht aus, um selbst davon leben zu können. Und während Unmengen an Energie und Rohstoffen aufgewendet werden müssen, um absurd hohe Zinseinkünfte zu erarbeiten, die eigentlich nicht notwendig sind, dürfen „normale“ Menschen keine Glühlampen mehr kaufen um abends ein Buch in gemütlicher Atmosphäre zu lesen. Während für die einen immer leistungsstärkere Triebwerke entwickelt werden, damit sie einen Nachmittagsausflug ins All machen können, müssen andere mit immer schwächeren Staubsaugern auskommen, weil die leistungsstarken Staubsauger aufgrund von Energiespar-Vorschriften der EU nach und nach aus dem Verkehr gezogen werden. Während die einen mit dem Hubschrauber zum Golfspiel fliegen, sollen diejenigen, die diesen Luxus erarbeiten mit dem Fahrrad ins Büro fahren, um die Umwelt zu schonen. Ist das nicht bescheuert?


Literaturverzeichnis:
[2]
Blick der Reichen aus dem Weltall auf die Menschen da unten; Telepolis; Florian Rötzer; http://www.heise.de/tp/artikel/37/37448/1.html; 16.08.2012