Die dunkle Seite von Red Bull

Ich übe viel Kritik an den öffentlich-rechtlichen Sendern, da dort einiges passiert, das ich nicht gut heiße. Hin und wieder werden aber durchaus sehenswerte Reportagen im Fernsehen gesendet und auch übers Internet bereitgestellt, die über Sachverhalte aufklären, die wir sonst nicht zu Gesicht bekommen. Hierfür zahle ich die Zwangsgebühren gerne.
Unglücklicherweise ist nicht sichergestellt, dass die Berichte auch nach langer Zeit noch abrufbar sind. Das hat leider rechtliche Gründe, aber vermutlich hält sich das Interesse der Verantwortlichen auch in engen Grenzen, die Beiträge über Jahre oder gar Jahrzehnte bereitzustellen. Das ist deshalb problematisch, weil man Reportagen der Öffentlich-Rechtlichen dadurch nicht zitieren kann. Wenn man ein Buch zitiert und die Quelle angibt, kann der geneigte Leser auch nach Jahren noch ein Exemplar im Buchhandel oder einer Bücherei finden und die Aussagen nachlesen. Die Beiträge der Öffentlich-Rechtlichen verschwinden irgendwann hinter verschlossenen Türen und sind nur schwer einsehbar. Dank des Internets klappt dieses für ein sogenanntes „Informationszeitalter“ rückständige Verhalten nicht mehr so recht und viele Reportagen sind über andere Kanäle, wie etwa YouTube längere Zeit verfügbar.

Einer der lobenswerten Reportagen, die ich mit meinen Gebühren finanziert habe, ist ein Bericht über das Marketing-Unternehmen „Red Bull“, das in erster Linie für das Brausegetränk bekannt ist. Der Konzern wirbt für seine Produkte mit den Aktionen von Extremsportlern. Höher, schneller, weiter ist die Devise und dabei kommt immer wieder ein Protagonist ums Leben. Im Prinzip ist das nicht schlimm. Diese Menschen gehen das Risiko aus freien Stücken ein und gefährden nur sich selbst.
Was aber seitens Red Bull nicht in Ordnung ist, ist die Tatsache, dass nur die erfolgreichen Stunts publiziert werden. Wenn man mit gefährlichen Aktionen wirbt und vom Erfolg profitiert, dann sollte man auch so ehrlich sein und auch den Misserfolg kommunizieren. Das heißt, dass auch die Todesfälle nicht verschwiegen werden dürfen. Hierzu schweigen sich die Verantwortlichen aber aus. Red Bull verleiht also nicht nur (manchmal) Flügel, sondern macht auch feige.
Damit aber nicht genug.
Ehre ist dem Konzern ein Fremdwort. Aber auch die einschlägigen Gesetze sind den Mitarbeitern scheinbar nicht bekannt und die Führungskräfte ignorieren diese scheinbar auch schon mal. So wollte das Fernsehteam die Konzernzentrale im österreichischem Fuschl am See nahe Salzburg filmen, von einer öffentlichen Straße aus, wohlgemerkt. Der Wachmann wies das Team darauf hin, dass die Gebäude nicht gefilmt werden dürfen. Auf die Frage, wer das sagt, antwortet der Wachmann, dass die Chefs dies sagen. Das Kamerateam erwähnte, dass es sich um eine öffentliche Straße handelt, woraufhin der Wachmann erklärte, dass sie in die andere Richtung filmen können. Er drehte dann noch eine Runde und wenn er wiederkommt und noch gefilmt wird, dann ruft er die Polizei. Wahnsinn. Haben Sie verstanden, was hier die Aussage war?
Auch in Österreich gibt es die sogenannte Panoramafreiheit. Diese besagt, dass Bauwerke, die sich auf einer im Gemeingebrauch befindlichen öffentlichen Fläche oder auf einem Privatgrundstück befinden bildlich wiedergeben werden dürfen, wenn die Aufnahmen von einer allgemein zugänglichen Stelle aus angefertigt werden, also das Hausrecht gewahrt bleibt.
Der Wachmann sagte also im Prinzip frei interpretiert: Ihr tut zwar nicht illegales, wenn ihr hier filmt, aber wir wollen es nicht und wir werden die Polizei holen, damit sie auf Kosten der Steuerzahler unsere unrechtmäßigen und mit dem Gesetz in Konflikt stehenden Interessen verteidigt.

Das schlägt dem Brausefass doch den Boden aus.

Die Reportage heißt „Die dunkle Seite von Red Bull – Wenn ein Getränk doch keine Flügel verleiht“ und ist zum Glück noch bei YouTube zu finden (wobei die letzten Minuten leider fehlen).