Die besorgte Tabakindustrie

Tabakindustrie fürchtet um Jobs

Die Tabakindustrie lehnt die Pläne ab und beklagt einen zu tiefen Eingriff in die Freiheit der Konsumenten. Die Betriebsräte der deutschen Zigarettenindustrie befürchten gar den Verlust Tausender Arbeitsplätze.[1]

Quelle: Die Welt

„Die Industrie“ fürchtet um Jobs. Soso. Die Verantwortlichen der Industrie“ würde doch vermutlich jeden Mitarbeiter auf der Stelle rauswerfen, wenn es der Gewinnmaximierung dienlich wäre. Und überhaupt, wie können Betriebsräte, die für die Herstellung überaus schädlicher Produkte mitverantwortlich sind, sich um das Wohlergehen der Menschen sorgen? Menschen, denen der Verlust Tausender Leben gleichgültig ist, sorgen sich um den Verlust Tausender Arbeitsplätze. Klingt nicht sehr glaubwürdig, oder?
Und der Verlust der Arbeitsplätze droht nur, weil auf Zigarettenschachteln die Folgen des Tabakkonsums bildlich wiedergegeben werden sollen. Klar, viel lieber würde die besorgte Industrie ganz unbesorgt irreführende und betrügerische Werbung auf die Schachteln drucken. Rauchen soll ja mit Genuss und endloser Freiheit in Verbindung gebracht werden und nicht mit verkrüppelten Menschen. Wayne McLaren, der an Lungenkrebs gestorbene Darsteller des Marlboro-Manns lässt grüßen.
Mit der gleichen Begründung, also der Gefährdung von Arbeitsplätzen, könnte man übrigens auch das Vorgehen gegen Gewalt und Terrorismus kritisieren. Dadurch werden schließlich Arbeitsplätze in der Sprengstoffindustrie, in der Bauindustrie und bei den Rettungsdiensten gefährdet.
Aber in einem hat die Tabakindustrie vermutlich recht: Schärfere Warnhinweise werden nicht geeignet sein, Jugendliche vom Rauchen abzuhalten. Viele Raucher nehmen auf nichts und niemanden Rücksicht. Da wird an den Eingängen von Gebäuden oder inmitten von Menschenmenge in der Fußgängerzone geraucht, so dass man als Nichtraucher nicht mehr weiß, wohin man sich vor dem Gestank flüchten soll. Schlimm genug ist auch, dass Menschen beim Autofahren Drogen konsumieren. Dass sie dann die Zigarettenstummel immer wieder achtlos aus dem Autofenster werfen, anstatt die Kippen in einen Aschenbecher im Fahrzeug zu stecken, ist dann die Krönung. Menschen, die im realen Leben so rücksichtslos und ignorant sind, wird man mit ein paar Bildchen wohl kaum zu besonnenem hHandeln führen können.


Literaturverzeichnis:
[1]
Neue Tabakrichtlinie – Diese Änderungen kommen auf Europas Raucher zu; Die Welt Online; Christin Bohmann; http://www.welt.de/wirtschaft/article120735895/Diese-Aenderungen-kommen-auf-Europas-Raucher-zu.html; 08.10.2013