Die Armen werden immer ärmer

Die Armen werden immer ärmer, die Reichen werden immer reicher. Statistiken belegen, was der Volksmund schon lange weiß.[1] Die Entwicklung ist eine logische Konsequenz des heutigen Geldsystems, das es den Wohlhabenden ermöglicht, Menschen zu erpressen, die wenig Geld haben. Wer mehr Geldvermögen besitzt als er zum Leben braucht, wird das Geld sparen. Dadurch entzieht er das Geld der Wirtschaft und das ehemalige Tauschmittel liegt ungenutzt als Schatzmittel auf einem Konto. Die Vermögenden entziehen also das Geld durch ansparen dem Markt, so dass es den anderen Menschen nicht mehr zur Verfügung steht. Diese Menschen können somit nicht mehr Geld haben, weil nicht mehr zur Verfügung steht. Allerdings benötigen sie das Geld um beispielsweise ihre Einkäufe zu tätigen. Ohne Geld als Tauschmittel käme die Wirtschaft zum erliegen. Geld, dass jedoch als Schatzmittel gehortet wird, kann verständlicherweise nicht als Tauschmittel zur Verfügung stehen. Das bringt die vermögenden Personen in eine vorteilhafte Position: Sie können das Geld, das sie der Allgemeinheit entzogen haben, an diejenigen verleihen, die nun wenig haben. Dafür verlangen die Vermögenden natürlich eine Verleihgebühr in Form von Zinsen.
Ein Großteil des Geldes ist also in Besitz weniger Personen.[2] Die große Menge all der anderen Menschen, die nicht zu diesem erhabenen Kreis der Reichen gehören, müssen sich das wenige Geld, das noch in Umlauf ist teilen. Das reicht für viele nicht zum Leben und so sind diese Menschen darauf angewiesen, sich Geld von den Reichen zu leihen. Dies müssen sie früher oder später zurück zahlen und dazu noch anfallende Zinsen. Doch woher kommt das Geld für die Zinsen, wenn schon das Geld für den täglichen Bedarf nicht da war? Nun, auch dies kann geliehen werden. Es versteht sich von selbst, dass auch dafür wieder Zinsen zu bezahlen sind. Offensichtlich müssen sich also diejenigen, die nicht genug Geld zum Leben besitzen, immer weiter bei denen verschulden, die das Geld gehortet haben. Die Vermögenden hingegen müssen nicht einmal mehr arbeiten, sondern bekommen einfach deshalb immer höhere Ansprüche auf Geldvermögen, weil sie so viel Geld haben, dass sie es verleihen können und dafür am Ende mehr zurück fordern, als sie verliehen haben. Man könnte es als Erpressung bezeichnen. Die Reichen führen ein Leben auf Kosten anderer ohne eine nennenswerte Leistung für die Allgemeinheit zu erbringen. Wenn Banken damit werben, man habe genug gearbeitet und solle nun das Geld für sich arbeiten lassen, ist dies eine Verdrehung der Tatsachen. Geld arbeitet nicht. Es sind Menschen, die dafür arbeiten. Es müsste heißen: Lassen sie andere Menschen für sich arbeiten.

Im Prinzip müssen für jeden, der Geld auf der Bank hat und dafür Zinsen bekommt, andere Menschen arbeiten, ohne eine konkrete Gegenleistung zu bekommen. Hiervon profitieren bis zu einem gewissen Grad auch die Menschen der Mittelschicht, also die meisten Menschen, denen man im Alltag begegnet. In kleinem Umfang bekommen sie Geld ohne dafür etwas zu leisten. Die Zinsen eben, die sie für das Geld auf ihrem Konto erhalten. Das ist nicht genug um davon zu leben, so dass eine normale Arbeit die eigentliche Einnahmequelle ist.
Kritisch wird es aber vor allem dann, wenn jemand so viel Geld besitzt, dass er mehr Geld durch Zinsgewinne bekommt, als er ausgibt. Diese Oberschicht lebt ausschließlich auf Kosten der Allgemeinheit. Das Geldvermögen dieser Menschen wächst stetig an, da sie mehr bekommen als sie ausgeben (können). Und dafür müssen sie noch nicht einmal mehr arbeiten.
Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn jemand durch Arbeit eine größeres Vermögen erwirtschaftet. Wer viel Leistung bringt, soll auch besser entlohnt werden, als jemand, der nur das Minimum leistet. Dadurch, dass dieses Geldsystem jedoch das Anhäufen von Geldvermögen stark fördert und der Anreiz fehlt, das Geld wieder zu investieren, so dass es auch anderen zugute kommt und nicht ungenutzt herumliegt, muss durch den Zins ein künstlicher Anreiz geschaffen werden, das Geld zu verleihen. Das ist ein zentrales Problem. Zins und Zinseszins bedeuten, dass derjenige, der sich Geld leiht nun mal mehr zurück zahlen muss, als er geliehen hat. Irgendwann ist dann auch der Punkt erreicht, an dem der Vermögende nicht mehr arbeiten muss, weil er einfach schon deshalb immer Geld bekommt, dass er anderen das Geld zur Verfügung stellt, dass er ihnen zuvor entzogen hat. Somit werden die reichen immer reicher und die Armen immer ärmer.

Die Schere zwischen Arm und reich wird also immer weiter auseinander gehen. Einige wenige werden immer mehr Vermögen anhäufen, viele andere werden in die Armut abdriften, da ihnen das Geld entzogen wurde.

Dieser Umverteilungsprozess fällt in der Mittelschicht noch nicht so recht auf, weil die Menschen aus der armen Schicht nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können und somit aus dem kollektiven Gedächtnis gestrichen werden. Menschen in der Mittelschicht hingegen, haben zumindest noch so viel Geld, dass ein angenehmes Leben möglich ist. Es ist sogar so, dass die Menschen der Mittelschicht sich in einer falschen Sicherheit wiegen, da sie ja selbst Zinsgewinne verbuchen können. Interessant ist in dem Zusammenhang, dass auch aus der Mittelschicht immer häufiger zu hören ist: Der Sprit wird so teuer, wer soll das noch bezahlen? Lebensmittel im Supermarkt werden immer unbezahlbarer und ein Restaurantbesuch ist eh nicht mehr zu finanzieren.[3]
Die Preise steigen, das scheint offensichtlich. Aber es gibt auch einige Menschen, für die das eine Kleinigkeit ist. Das sind die Wohlhabenden. Die Gewinner dieses kranken Geldsystems. Aber gleichzeitig bleiben immer mehr Menschen, die ehemals der Mittelschicht angehörten auf der Strecke und rutschen in die Armut.
Spätestens hier sollte auch den Menschen in der Mittelschicht bewusst werden, dass auch sie nicht bis in alle Ewigkeit in dem Luxus leben werden, wie sie es bislang gewohnt sind und für selbstverständlich erachten. Wer den Berechnungen, Schätzungen und Statistiken nicht glaubt und auch der Volksweisheit keine Beachtung schenkt, dass immer mehr Geld von den unteren in die höheren Schichten umverteilt wird und die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht, kann es im Leben ganz real erfahren. Jeden Tag, wenn er merkt, dass auch er sich die Preise für Energie, Lebensmittel oder auch Freizeitaktivitäten immer weniger leisten kann, ist das ein Anzeichen dafür, dass auch er zu wenig verdient, um in der Oberklasse zu leben und nach und nach in der Armut landen wird.


Reicher Mann und armer Mann
standen da und sah’n sich an,
und der Arme sagte bleich:
„Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich!“

Bertold Brecht


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Literaturverzeichnis:
[3]
Restaurant-Rechnung bis zu 145% höher; http://www.oe24.at/zeitung/wirtschaft/article237807.ece; 2008