Der Mittelstand bremst die Erholung?

Am 1. Oktober ist auf Welt Online der Artikel Wie die Mittelschicht die Krise ausgelöst hat von Matthias Kamann erschienen.

Nicht nur Banker, auch die deutschen Soziologen fragen nach den Ursachen der Finanzkatastrophe. Ihre Antwort: Die Krise ist eine originäre Mittelschichtkrise. Nicht nur, weil davon mittlere Einkommen massiv getroffen werden, sondern auch, weil die Mittelschicht die Krise mit herbeigeführt hat. Weil sie meinte, es zu müssen.[1]

Quelle: Welt Online

Banker und Soziologen finden ganz schnell die URSACHE der Finanzkrise: Die Menschen der Mittelschicht tragen die Schuld, also im großen und ganzen die Bevölkerung. Ich berichtete bereits im Artikel Der Mittelstand ist Schuld an der Krise? darüber.

Bei der angeblichen Finanzkrise handelt es sich tatsächlich jedoch um eine Geldsystemkrise. Die Krise im Finanzsystem ist eigentlich nur eine logische Entwicklung, die auf die Funktionsweise des Geldsystems zurückzuführen ist, wie ich bereits in einigen Artikeln geschrieben habe und auch aus den Quellen und weiterführenden Informationen ersichtlich wird. Keinesfalls ist die Bevölkerung Schuld an der Krise, wie der Autor glaubend machen will.
Nun setzt die Financial Times Deutschland (FTD) noch einen oben drauf und behauptet, die Rezession sei überwunden, die Verbraucher jedoch (also wieder die Bevölkerung) behindern die Erholung der Wirschaft.

Schwacher Konsum bremst Erholung der Wirtschaft

Die Rezession ist überwunden, die Unternehmen investieren wieder und der Export zieht an – so weit, so gut. Doch die Verbraucher erweisen sich als Belastung für die Wirtschaft. Nach dem Wegfall der Abwrackprämie sparen sie sich größere Anschaffungen.[2]

Quelle: Financial Times Deutschland

Wieder wird der Fehler nicht als Geldsystemfehler erkannt, sondern den Menschen zugeschoben, die selbst unter den Folgen des Geldsystems leiden. Ein System, das aufgrund der Zinsen und Zinseszinsen ein exponentielles Wachstum erzwingt, das früher oder später nicht mehr erbracht werden kann. Endloses Wachstum in einer begrenzten Welt ist nun mal nicht möglich und führt zur Zerstörung. Dennoch predigt auch die FTD ein beständiges Wachstum:

Die Investitionen der Unternehmen und der wieder erstarkte Export führten die deutsche Wirtschaft auf den Wachstumspfad zurück.[2]

Quelle: Financial Times Deutschland

Der heilige Pfad des Wachstums darf keinesfalls verlassen werden! Wie dem Text weiter zu entnehmen ist muss die Wirtschaft laut Dekabank-Ökonom Sebastian Wanke im kommenden Jahr um 1,5 Prozent wachsen, andernfalls kämen die Firmen nicht um weitere Entlassungen herum. Gleichzeitig schreibt der Autor des Artikels, dass der Export von der Erholung des Welthandels profitiere, der private Konsum aber auch aufgrund der steigenden Arbeitslosigkeit weiter schwächeln wird.
Es ist zu erkennen, das sich die deutsche Wirtschaft aus eigener Kraft nicht halten kann. Die Menschen im Land sind Arbeitslos und haben nicht viel Geld zur Verfügung, das sie ausgeben könnten. Dadurch schwächt sich das Wirtschaftswachstum weiter ab. Es kommt zu neuen Entlassungen, was die Kaufkraft der Menschen noch weiter drückt und damit die Wirtschaft wieder bremst. Ein Ausweg ist nur, neue Märkte außerhalb zu beliefern. Das mag kurzzeitig funktionieren, wenn in einem anderen Land die Wirtschaft noch etwas besser da steht. Jedoch haben alle Menschen auf der Welt die gleichen Probleme mit dem Geldsystem. Auch im Ausland kann auf Dauer ein unbegrenztes Wachstum nicht erbracht werden, so dass der Export als Säule wegbrechen wird.

Erst ist der Mittelstand Schuld an der Krise, jetzt bremst er die Erholung. Offensichtlich sind die Menschen lediglich Störenfriede in einem ansonsten durchdachten System, das grenzenloses Wachstum und Wohlstand bringt. Dieses System ist scheinbar nicht dazu geeignet, den Menschen auf der Welt ein angenehmes Leben in Einklang mit der Umwelt zu ermöglichen, sondern einfach nur Wachstum zu generieren. Alles, was das Wachstum behindert ist somit ein Störfaktor. Nicht das Geldsystem und die Wirtschaft soll dem Menschen dienen, sondern der Mensch muss dem Geldsystem und der Wirtschaft dienen. Gelingt ihm das irgendwann nicht mehr, weil er weder unbegrenzt arbeiten noch konsumieren kann, entwickelt er sich zum Fehler im System. Das System jedoch kann ohne die Menschen auch nicht existieren. Wenn das System die Menschen zugrunde gerichtet hat, wird es selbst kollabieren.
Dies wäre der Zeitpunkt, an dem ein neues Geldsystem etabliert werden könnte, das kein Wachstum erzwingt, sondern einfach den Handel der Menschen untereinander erleichtert. Davon würde auch die Umwelt profitieren. Aber dazu wird es nicht kommen. Stattdessen wird wieder ein Schuldgeldsystem eingeführt werden, dessen Umlaufsicherung auf Zinsen und Zinseszinsen basiert und grenzenloses Wachstum erzwingt. 50 bis 100 Jahre später stehen die Menschen dann erneut vor einer Krise und wundern sich, wie das passieren konnte.