Das verschwiegene Treffen

Tendenziell konsumiere ich die Mainstream-Medien wie Radio oder gar das Fernsehen nur sehr eingeschränkt. Wenn ich aber einmal irgendwo beispielsweise einen Radiosender höre, dauert es nicht lange, bis über Fußball berichtet wird. Dabei haben diese Ereignisse keine nennenswerte Bedeutung für mein Leben. Es ist im Prinzip egal, ob die eine oder die andere Mannschaft gewinnt. Es betrifft mich nicht und ich muss über das Ergebnis nicht informiert werden. Genau so dürfte es fast jedem anderen gehen. Fußball ist also lediglich eine nette Freizeitbeschäftigung zur körperlichen Ertüchtigung für die Teilnehmer. Dennoch werden den Fußball-Ereignissen umfassend Sendezeit eingeräumt.
Im Gegensatz dazu betreffen uns die politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen der Volksvertreter oftmals sehr direkt, denn letzten Endes entstehen für die Folgen in der Regel Kosten, die wir dann erarbeiten und über Steuern finanzieren müssen. Gegebenenfalls auch indirekt über den Abbau von Sozialleistungen oder den Verfall der Infrastruktur. Somit wäre es mehr als angebracht, wenn wir über die Geschehnisse aus Politik und Wirtschaft ausgiebig informiert werden. Das ist auch nicht zuletzt die Basis, um an einer Wahl teilnehmen zu können. Das wir wählen gehen, das wird von uns ganz selbstverständlich erwartet. Aber dann müssen wir auch erwarten können, über die Massenmedien umfassen informiert zu werden, um eine Wissensbasis zu haben, auf der man seine Wahl-Entscheidungen aufbauen kann. Leider sind die Massenmedien bei der Berichterstattung über bedeutsame Ereignisse sehr zurückhaltend. Stattdessen wird über belanglosen Fußball berichtet. Ständig.
Hin und wieder gibt es tatsächlich Ereignisse im Kreise der politischen VIPs, auf die sich die Medien stürzen. Wenn sich irgendwo ein paar Staatsvertreter und Schauspieler zu Traumhochzeiten, Geburtstagen oder einem Thronjubiläum treffen, sind die Medien nicht weit und berichten ausgiebig darüber. Das sind aber Ereignisse, die überhaupt nicht so wichtig für die Leser, Zuhörer und Zuschauer sind.
Wichtiger wäre es beispielsweise, etwas über die regelmäßigen Bilderberg-Konferenzen zu erfahren. Hier treffen sich regelmäßig weit über hundert Spitzenvertreter aus Politik und Wirtschaft, um über die Zukunft von Millionen Menschen zu sprechen. Von den Entscheidungen, die bei diesen Treffen erarbeitet werden, dürfte jeder Mensch in Europa betroffen sein. Über das letzte Treffen vom 29.05. bis zum 02.06.2012 im amerikanischen Chantilly in Virginia und den Ergebnissen der Debatten habe ich im Radio nichts gehört. Über Fußball dafür um so mehr. Irgendwie werden die Prioritäten in den heutigen Medien sehr fragwürdig gesetzt.
Bemerkenswert ist auch, dass bei den Bilderberg-Konferenzen kaum Journalisten als Berichterstatter anzutreffen sind. Die wenigen Journalisten, wie etwa Matthias Naß, der Internationaler Korrespondent der Zeit, die zum Treffen reisen, sind als Konferenzteilnehmer eingeladen. Das heißt aber, dass sie zur Verschwiegenheit verpflichtet sind und nicht berichten dürfen. So wundert es dann auch nicht, dass eine Suche nach „Bilderberg“ im Online-Archiv der Zeit zwischen dem 1. Mai und dem 3. Juni diesen Jahres nur zwei Ergebnisse liefert, die zudem nichts mit dem Treffen zu tun haben: http://www.zeit.de/suche/index?q=bilderberg&from=01.05.2012&

Es lebe die Pressefreiheit.