Das Schweinesystem – Wie uns die Fleischindustrie krank macht

Vor nicht allzulanger Zeit standen wir in einem Warenhaus an einer Kültruhe, in der die vegetarischen Produkte angeboten wurden. Im Vergleich zu den vielen Kühltruhen, die in langen Reihen mit Fleisch gefüllt waren, war das Angebot an vegetarischen Produkten nicht sonderlich umfangreich. Aber wir standen eine Weile dort und überlegten, was wir denn kaufen könnten. Die Verpackungen bereiteten uns ein wenig Kopfzerbrechen. Die Lebensmittel- beziehungsweise Füllstoffindustrie bietet zwar einzeln verpackte Schokoladenbonbons an, die Bratlinge für einen Burger gab es aber nur in Zweier- oder gar Viererpacks. Reißt man die Verpackung auf, muss man bis zu vier Burger essen, damit nichts schlecht wird. Möchte man zwei Burger mit jeweils einer anderen Auflage, dann sind zwei Packungen zu öffnen, was durchaus für vier bis acht belegte Brötchen reicht. Zudem sind einige der vegetarischen Auflagen von einem Hersteller, dessen Hauptgeschäft auf dem Schlachten und dem Verkauf von Fleischprodukten beruht. Was nun? Kauft man die vegetarischen Produkte, um damit ein Zeichen zu setzen, dass Bedarf hierfür besteht? Oder boykottiert man die Produkte dieses Herstellers komplett.
Fragen über Fragen. Gleichzeitig war eine ältere Dame ebenfalls damit beschäftigt, ein vegetarisches Gericht aus der Kühltruhe zu suchen. Wir kamen ins Gespräch und sie erklärte uns, dass sie nun auch dazu übergegangen ist, vegetarische Produkte, zu kaufen, anstatt Fleisch und dass ihr diese gut schmecken. Und sie war sich sicher, dass in Zukunft immer mehr Menschen so handeln werden.
Ja, das ist sehr zu hoffen. Warum das zu hoffen ist, ist zufällig gerade in der Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Der Spiegel“ zu lesen. „Das Schweinesystem – Wie uns die Fleischindustrie krank macht“, lautet der Bericht.
Die Werbung gaukelt uns eine heile und hygienisch saubere Welt und natürlich glückliche Tiere vor. Bereits das einleitende Bild zum Artikel zeigt zeigt aber mit einer gewissen Ironie, wie es im Fleischgeschäft tatsächlich zugeht. Unzählige schmutzige Schweine stehen da, dicht gedrängt in engen, dreckigen Boxen. Vor und neben den Tieren Wände aus technischen Apparaturen. Dort würde wohl keiner seine Picknickdecke auspacken und das Essen anrichten. Wer weiß, was man sich dann alles für Krankheiten holt. Wie auf den Produktfotos in schöner Natur sieht es dort wirklich nicht aus. Der Mitarbeiter, der den Arbeitsschritt kontrolliert und zuschaut, wie die schmutzigen Tiere an ihm vorüberziehen, hat einen weißen Laborkittel an, der den Eindruck von Sauberkeit vermittelt und eine Haube verhindert, dass ausfallende Haare in die Produktionskette gelangen. Die Haare sind hier aber wohl das kleinste Problem. Aber das zeigt, wie weit wir von der Realität entfernt sind. Da können Tiere an uns vorbeiziehen, die mit ihrem eigenen Kot verschmiert sind. Wenn wir nur einen weißen Kittel und eine Schutzhaube anhaben, ist die Welt sauber und alles ist in bester Ordnung. Wir können bis zum Hals in der Scheiße stehen, mit einem weißen Kittel kann zumindest jeder eine weiße Weste haben, wie man so schön sagt. Die Kunden bekommen im Laden ihren weißen Kittel in Form von schönen Produktbildern auf den Packungen, die nicht erkennen lassen, unter welchen Bedingungen der Inhalt produziert wurde. Auf den Packungen steht auch nicht der für die Produktion des Fleischgerichtes nötige Energie- oder Wasserverbrauch. Es steht auch nicht auf den Packungen, wie viel Antibiotika den Tieren ins Futter gemischt wurde und wie viele resistente Keime sich gebildet haben. Und von den Unmengen an Gülle ist auf den edlen Verpackungen ohnehin nichts zu lesen. So merkt der Kunde nicht, dass mancherorts in Deutschland so viel Gülle anfällt, dass man es nichteinmal mehr auf die umliegenden Felder verteilen kann, sondern dies Jahr für Jahr mit über 100.000 Tankwagenfuhren in weiter entfernte Regionen verteilen muss. Und dennoch wird das Grundwasser teilweise so stark belastet, dass die Wasserwerke das Wasser mit sauberem Wasser verdünnen müssen, damit die zulässigen Grenzwerte der Schadstoffe nicht überschritten werden. Wir füllen also mittlerweile die Scheiße von den Feldern verdünnt ins Wasserglas. Teilweise müssen Naturschutzgebiete aufgekauft werden, um den Schutz der Natur soweit durchzusetzen, dass das Trinkwasser wieder als solches genutzt werden kann. Und dafür sind dann die Landwirte, welche die Umwelt rücksichtslos zerstören, auch noch zu entschädigen. Den Preis dafür zahlt nicht der Fleischkonsument. Nein, auf den Packungen steht nicht einmal der wahre Preis der Fleischproduktion, sondern ein viel zu niedriger Preis. Den eigentlichen Preis für den Fleischkonsum zahlen wir, also auch die Veganer unter uns, über Umwege. Beispielweise über die Wasserrechnung. Dazu kommen noch die Subventionen, mit denen alle Steuerzahler diese wahnsinnige und lebensverachtende Industrie unterstützen müssen. Der Umweltaktivist Jochen Fritz formuliert es in einem Intervie ganz deutlich:

Der Steuerzahler zahlt die Milliardenschweren Subventionen, und hinterher muss die Allgemeinheit noch für die Beseitigung der Schäden etwa im Grundwasser oder für steigende Gesundheitskosten aufkommen.[1]

Der Spiegel


Weiterführende Informationen:
Umweltbundesamt: Preise steigen wegen hoher Nitratbelastung


Literaturverzeichnis:
[1]
Das Schweinesystem – Wie uns die Fleischindustrie krank macht; Der Spiegel; Susanne Amann, Michael Fröhlingsdorf, Udo Ludwig; Der Spiegel 43/2013; 21.10.2013