Das Geld auf dem Sparbuch ist so gut wie weg

Wenn ich in Gesprächen darauf hinweise, dass das Finanzsystem aufgrund des durch Zins und Zinseszins verursachten Zwanges zum grenzenlosen Wachstum irgendwann an die Grenzen dieser beschränkten Welt stößt und kollabieren muss, dann stoße ich damit auf wenig Verständnis. Den Hinweis, dass ein Zusammenbruch mit dem Verlust der angesparten Guthaben einhergeht, was bei so manch einem ein empfindlicher Schlag für die Altersvorsoge bedeutet, dann erwidern die meisten Gesprächspartner nur, dass es so schlimm schon nicht werden wird. Soetwas ist schließlich unvorstellbar.
Unvorstellbar ist es eigentlich nur, weil das nötige Wissen fehlt, die Zusammenhänge und Entwicklungen nachzuvollziehen. So allmählich bereiten aber sogar die Mainstream-Medien die Menschen auf das bislang „unvorstellbare“ vor. So schrieb die Zeitung „Die Welt“ in dem Online-Artikel „Die Lehren für deutsche Sparer aus dem Zypern-Deal“:[1]

Doch auch wenn die 100.000-Euro-Grenze entgegen ursprünglicher Pläne doch gewahrt bleibt, hält die Art der Zypern-Rettung auch für deutsche Sparer einige Lehren bereit, die sie bei ihren Geldangelegenheiten ernst nehmen sollten.

Damit wird der Leser darauf eingestimmt, dass er sich grundsätzlich mit dem gedanken anfreunden muss, dass sein Erspartes in Gefahr ist. Um den Schock etwas abzufedern wird darauf hingewiesen, dass es vorerst nur die Vermögenden trifft, die mehr als 100.000 Euro auf dem Konto haben.
Aber wie kann es sein, dass das Geld der Menschen einfach so genommen wird? Auch darauf gibt der Artikel eine Antwort: Das Geld auf der Bak gehört überhaupt nicht dem Bankkunden. Der Bankkunde gibt der Bank das Geld in Form eines Kredites. Damit gehört es der Bank und was auf dem Kontoauszug steht, ist eine Art Versprechen seitens der Bank, dass sie ihm dafür irgendwann wieder Geld und ein bisschen was an Zinsen zurückgibt.

Da ist das grundsätzliche Verhältnis zwischen Kunde und Bank. Besitzer eines Giro- oder Sparkontos, von Tages- oder Festgeldanlagen oder des guten alten Sparbuches sollten sich bewusst sein, dass sie nichts anderes als Gläubiger ihrer Bank sind. Sie leihen ihrem Institut Geld und bekommen dafür Zinsen.

Wobei man ein gewöhnlicher Kunde der Bank das Geld im Prinzip zum Nulltarif leiht. Der Bankkunde selbst bekommt meistens kaum Zinsen. Dafür kassiert die Bank um so mehr Zinsen (und natürlich einen fiktiven Risikoaufschlag), wenn sie aufgrund des ihr anvertrauten Geldes noch mehr Geld aus dem Nichts schöpft und diese weiterverleiht.
Der Autor des Artikels legt nun noch einmal nach und macht deutlich, dass in Falle eines Zusammenbruchs das Geld tatsächlich weg sein kann, auch wenn man die Bevölkerung bisher damit beruhigte, dass es diverse Einlagensicherungsfonds gibt, die bei Verlusten für den Schaden aufkommen.

Zwar existiert in Deutschland mit den verschiedenen Einlagensicherungsfonds der Institutsgruppen eine zusätzliche Absicherung. Allerdings sind diese Einrichtungen nicht für Großpleiten gedacht. Und Kunden haben keinen Rechtsanspruch auf diese zusätzliche Absicherung.

Ja, so allmählich wird die Bevölkerung hierzulande auf das drohende Schicksal vorbereitet. Irgendwann werden dann auch diejenigen, die jetzt noch fest davon überzeugt sind, dass ein Verlust des angesparten Geldes in der heutigen Zeit unmöglich ist, „schon immer gewusst haben“, dass das Geld nicht sicher ist.


Literaturverzeichnis:
[1]
Einlagensicherung – Die Lehren für deutsche Sparer aus dem Zypern-Deal; Die Welt; Karsten Seibel, Holger Zschäpitz; Axel Springer AG; http://www.welt.de/finanzen/article114748295/Die-Lehren-fuer-deutsche-Sparer-aus-dem-Zypern-Deal.html; 25.03.2013