Dänisches Militär scheitert an Word-Unkenntnis

Der dänische Elitesoldat Thomas Rathsack schrieb einen Erlebnisroman über seine Einsätze im Irak und in Afghanistan. Spannende Enthüllungen über dänische Solaten enthält das Buch Jæger – i krig med eliten (Jäger – Im Krieg mit der Elite) laut dem Tagesspiegel[1] nicht, sondern lediglich unkritische „Solaten-Huldigungen“. Die TAZ hingegen schreibt, dass auch von Kämpfen in ziviler Kleidung zwecks Täuschung des Gegeners berichtet wird, was ein Verstoß gegen die Genfer Konventionen darstellt.[2]
Sonderlich angetan war das dänische Militär von diesem Buch nicht, möglicherweise weil dadurch eine neu ausgebrochene Debatte über den (Un)sinn der Kriege genährt werden könnte, wie die TAZ vermutet. Offiziell hieß es allerdings, das Buch könne eine „Gebrauchsanleitung für die Taliban“ sein, aus der hervorgeht, wie die Soldaten denken und stelle somit eine Gefahr für die Sicherheit dar. Folglich muss die Verbreitung umgehend unterbunden werden. Die Zeitung Politiken reagierte auf die drohende Zensur vorsorglich mit einer Vorabveröffentlichung des Buches. Auch WikiLeaks stellt das Buch zum Download bereit. Der Versuch, das Buch zu verbieten, ist jedoch gescheitert. Den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen den Buchverlag wies ein Gericht in Kopenhagen ab.[2]

Einige Tage, nachdem das Militär vor Gericht scheiterte, trat Verteidigungsministers Søren Gade mit dem Hinweis an die Öffentlichkeit, dass das Buch bereits als arabische Fassung im Internet kursiere. Ein Hinweis darauf, dass der „Feind“ tatsächlich ein großes Interesse an diesem Buch hat und die Zensurversuche somit durchaus berechtigt sind.
Ein Dolmetscher, der von einer (leider nicht näher genannten Zeitung) engagiert wurde, wertete den Text jedoch als völlig unverständlich. Wie sich bald herausstellte, wurde die als Word-Dokument veröffentlichte Übersetzung mit Google Translate erstellt. Der Verfasser des Word-Dokuments beachtete jedoch nicht, dass Word zusätzliche Informationen im Dokument speichert – unter anderem Daten über den Urheber. Wie ein Journalist bemerkte stand da nicht „Taliban, Höhle 12 in den Bergen“ oder etwas vergleichbares als Verfasser, sondern das Militärkommando in Dänemark. Die IT-Abteilung begründete den Umstand damit, dass sie die arabische Fassung im lediglich aus dem Internet heruntergeladen und in das Word-Format umgewandelt habe, konnte jedoch keine entsprechenden Log-Files nachweisen. Später gestand der Chef der IT-Abteilung, das Dokument selbst erstellt und verbreitet zu haben.[3]

Dieser Vorfall zeigt zwei Dinge:

  • Vom Militär ausgeführte Aktionen werden durchaus dem Gegner angelastet. Operationen unter falscher Flagge scheinen selbstverständlich zu sein.
  • IT-Mitarbeiter haben von Informationstechnik mitunter wenig Ahnung. Wenn nicht mal der Chef der Abteilung weiß, dass in einem Word-Dokument zusätzliche Informationen gespeichert werden und die Mitarbeiter nicht wissen, dass sich ihre Aussagen mit Log-Dateien der Server belegen oder widerlegen lassen, scheint es um die IT-Sicherheit in Dänemark nicht gut bestellt zu sein.


Literaturverzeichnis:
[2]
Verbotsantrag gescheitert; Reinhard Wolff; http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/verbotsantrag-gescheitert/; 21.09.2009
[3]
Hinterhalt scheitert an Word-Unkenntnis; Reinhard Wolff; http://www.taz.de/1/leben/internet/artikel/1/hinterhalt-scheitert-an-word-kenntnis/; 02.10.2009