Chancengleichheit: Bewerbungen bitte nur von Frauen

In einer Stellenanzeige der Humboldt-Universität zu Berlin (Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät II, Institut für Mathematik) war zu lesen:

W3-Professur für Reine Mathematik, insbesondere Mathematische Logik, mit möglicher Fachausprägung in der Algebraischen Geometrie, Arithmetischen Geometrie oder Darstellungstheorie

unbefristet zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Bis 31.03.2016 wird die Stelle aus Mitteln des „Programms für bessere Studienbedingungen und mehr Qualität in der Lehre“ mit dem Ziel der Förderung der Chancengleichheit von Frauen in Forschung und Lehre finanziert.[1]

Bewerbungen aus dem Ausland sind erwünscht, ist weiter unten im Anzeigentext zu lesen. In der Hoffnung, eine Arbeitsstelle in seiner deutschen Heimat zu bekommen, bewarb sich der in den USA lebende Mathematiker Matthias Aschenbrenner. Er reiste zum Probevortrag nach Deutschland, landete auf dem ersten Platz der Berufungsliste für die Berliner Professur … und wurde nicht eingestellt.

Da die Stelle in den ersten drei Jahren „aus einem Programm zur besonderen Förderung des weiblichen Nachwuchses“ finanziert wird, können nur Frauen eingestellt werden. Im Beschreibungstext der Stelle ist lediglich zu lesen, dass die Stelle aus Mitteln des „Programms für bessere Studienbedingungen und mehr Qualität in der Lehre“ mit dem Ziel der Förderung der Chancengleichheit von Frauen in Forschung und Lehre finanziert wird. Von einem Ausschluss männlicher Kandidaten steht in der Anzeige nichts. Jedoch existiert laut SPIEGEL an der HU ein interner Hinweis, dass für „vorgezogene Neuberufungen“ auf Professorenstellen ausschließlich Frauen in Frage kommen. Davon konnten die Bewerber natürlich nichts wissen und da sie auch nicht darüber informiert wurden, sind die männlichen Bewerber unnötig angereist.[2]

Unter „Chancengleichheit“, wie sie laut Beschreibungstext der Ausschreibung gefördert werden soll, stelle ich mir vor, dass sowohl Frauen als auch Männer gleich behandelt werden. Jeder hat die gleichen Chancen und wer besser für die Stelle geeignet ist, soll den Platz bekommen, unabhängig davon, ob die Person männlich oder weiblich ist. Bei dieser Stelle beträgt die Chance für Männer nun aber 0 Prozent. Wenn Frauen die gleiche Chance haben, muss auch deren Chance bei exakt 0 Prozent liegen:

0% = 0%

Bei der Universität sieht die Rechnung aber so aus, dass Männer eine Chance von 0 Prozent haben und Frauen (im Gesamten) eine Chance von 100 Prozent:

0% = 100%

Hier von Chancengleichheit zu sprechen, ist schon starker Unfug und zeigt, dass die Universität ganz offensichtlich einen einen versierten Mathematiker überaus dringend nötig hat. Hier geht es nicht um Chancengleichheit, sondern um Privilegien, da nicht 0% = 100% ist, sondern 0% < 100%. Aus dem Gleich-Zeichen muss ein Kleiner-Zeichen werden, damit die Formel korrekt ist und somit wird aus der Gleichung eine Ungleichung, denn 0 ist nicht gleich 100, sondern kleiner 100.

Gut, dass erwähnt wird, dass sich die Professur „insbesondere auch auf Mathematische Logik“ bezieht, denn Verstärkung im Bereich der Logik hat die Universität ebenfalls nötig. So ist in der Anzeige weiter zu lesen:

Der/die künftige Stelleninhaber/in ist eine durch ihre Publikations- und Vortragstätigkeit international ausgewiesene Forscherpersönlichkeit, die über entsprechende Lehr- und Betreuungserfahrung verfügt.[1]

In Anbetracht der Tatsache, dass sich die Anzeige nur an weibliche Bewerber richtet, sind Formulierungen wie „Der/die künftige Stelleninhaber/in“ überaus unlogisch.

Rund zwei Drittel der Bewerber waren übrigens männlich. Verwunderlich ist dies nicht. Es steht Frauen zwar frei, sich auf solche Stellen zu bewerben, bei naturwissenschaftlichen Berufen ist es aber nicht ungewöhnlich, dass sich weniger Frauen bewerben. Gewöhnlich interessieren sich mehr männliche Personen für naturwissenschaftliche Berufe. Wenn nun 2/3 der Bewerber für solche Berufe männlich sind und Männer und Frauen im Durchschnitt gleich qualifiziert für solche Stellen sind, müsste bei einer Chancengleichheit bei der Vergabe auch 2/3 der Stellen mit männlichen Bewerbern besetzt werden und 1/3 mit weiblichen Bewerbern. Wenn jeweils die Hälfte der Bewerber männlich sind und die anderen Hälfte weiblich, würden Männer und Frauen bei chancengleicher Vergabe jeweils zur Hälfte die Stellen besetzen.
Auch wenn die Grundschablone jedes Menschen weiblich ist, sind Frauen und Männer dennoch unterschiedlich. Nicht nur der Körper, sondern auch das Gehirn ist anders aufgebaut. Die Gehirne unterscheiden sich in etwa einem Dutzend anatomischer Merkmale. Bei Frauen sind beispielsweise die beiden Gehirnhälften besser verknüpft. Während Männer eher Ambitionen für logische und naturwissenschaftliche Themen haben, interessieren sich Frauen stärker für empathische und soziale Themen.[3]
Zu beachten ist jedoch, dass in einem weiblichen Körper nicht zwangsweise ein typisch weibliches Gehirn vorhanden sein muss und in einem männlichen Körper steckt nicht automatisch ein typisch männliches Gehirn. Wie sich Körper und Gehirn ausprägen, hängt mit den während der Entwicklungsphasen bei der Schwangerschaft vorherrschenden Hormonkonzentrationen zusammen. Einige Frauen haben ein eher männliches Gehirn und einige Männer ein eher weibliches Gehirn. Diese Personen werden sich dann tendenziell stärker für Themen interessieren, die eigentlich eher dem anderen Geschlecht zuzuordnen sind. Im Gesamten werden sich aber für soziale Berufe eher Frauen bewerben und für naturwissenschaftliche Berufe eher Männer. Dies ändert auch ein Einstellungsverbot für Menschen nicht, deren äußerliche Körpermerkmale (und nur die werden bei Bewertungsgesprächen berücksichtigt, wohingegen der Gehirnaufbau keine Beachtung findet) nicht den Zielvorstellungen entsprechen.
Vielleicht sollten diejenigen, die bei der Universität für Stellenausschreibungen verantwortlich sind, hin und wieder mit den Kollegen vom Institut für Biologie Kontakt aufnehmen, um sich über solche Feinheiten des menschlichen Körpers zu informieren: http://www.biologie.hu-berlin.de/


#3 Heute 08:11 von kaeptn_blau

In was für einem Land leben wir eigentlich?

Es wird gejammert über Brain Drain, Fachkräftemangel und was weiss ich nicht alles und nun ist das entscheidende Kriterium, ob jemand beim Pinkeln sitzt oder steht?[2]


Literaturverzeichnis:
[2]
Bewerber-Bluff der HU Berlin – Mathematiker gesucht, aber nur weibliche; Der Spiegel; Hermann Horstkotte, Christoph Titz; http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/verdacht-der-diskriminierung-frauen-an-der-hu-berlin-bevorzugt-a-972145.html; 12.06.2014
[3]
Wunder Gehirn – Der kleine Unterschied; Der Spiegel; Jörg Blech; http://www.spiegel.de/spiegelspecial/a-272648.html; 01.11.2003