Britische Schulen drohen Eltern mit Gewalt, falls Kinder Gewaltspiele spielen

Grand Theft Auto, Call of Duty und Co.: Sollten ihre Kinder Zugang zu solchen Spielen haben, drohen Schulen in einer britischen Grafschaft den Eltern mit Einschaltung des Jugendamts.

16 Schulen in der britischen Grafschaft Cheshire haben offenbar brieflich den Eltern der Schulkinder Konsequenzen angedroht, sollten die Minderjährigen Zugang zu ab 18 freigegebenen Spielen haben. Konkret würden in solchen Fällen Polizei und Jugendamt eingeschaltet, zitiert der Guardian aus den kursierenden Briefen.[1]

Quelle: Heise

Vermutlich dürfte es in jeder Generation etwas geben, das der älteren Generation fremd ist und daher gefährlich auf sie wirkt. Es gab mal eine Zeit, da galt Rockmusik als gefährlich für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. Jetzt sind es immer wieder die Computerspiele, die für Panik bei der älteren Bevölkerung sorgen.
Beängstigend ist hier aber weniger, dass Kinder Ballerspiele am Computer spielen. Im Prinzip ist das auch nur eine Variante von „Indianer und Cowboy“ oder „Räuber und Gendarm“. Also eigentlich nur Spiele, wie sie früher noch auf der Straße gespielt wurden. In Zeiten, in denen aber der Schwerlastverkehr durch die Straßen rollt, um von chinesischen Sklaven hergestellte Billigprodukte pünktlich in die Ladenregale zu bringen und unzählige Berufspendler die Straßen verstopfen, müssen die Kinder auf Aktivitäten in den Wohnungen ausweichen. Da ist die Bewegungsfreiheit natürlich sehr eingeschränkt und Computer oder Spielekonsolen bieten viele Reize, welche die Kinder und Jugendlichen ansprechen, ohne sich bewegen zu müssen. Natürlich ist auch in diesen Spielen wieder der Kampf zwischen Gut und Böse ein großes Thema. Und dieses Thema fasziniert doch nicht nur die Kinder. Auch erwachsene Menschen, also die Eltern welchen das Schulamt mit der Polizei und dem Jugendamt drohte, wenn sie ihren Kindern Zugang zu gewaltlastigen Spielen gewähren, werden Abends beim Fernsehkrimi mitfiebern, ob der Mörder gefasst wird. Und sie werden sich am Wochenende auch mal im Kino einen Actionfilm mit wilden Schießereien ansehen.
Nicht Computerspiele drehen sich um Gewalt. Auch viele andere Spiele, welche von erwachsenen Menschen gespielt werden, basieren auf gewalttätigen Szenarien. Schach zum Beispiel. Beim Schach wird ein Kriegsszenario durchgespielt, bei dem sich zwei Heere mit dem Ziel gegenüberstehen, den gegnerischen König zu töten.

Es ist erschreckend, wie die verantwortlichen Schulträger mit einer Situation umgehen, die sie nicht verstehen. Sehr wahrscheinlich haben die Schulleiter und Lehrer selbst niemals einen Egoshooter gespielt oder als Teamleader einen Clan angeführt oder voller Vorfreude ihren Computer auf einer LAN-Party aufgebaut um dort bis zum nächsten Morgen mit Freunden Netzwerkspiele zu zocken. Dann wüssten sie, dass die Jugendlichen auf LAN-Partys trotz gewaltlastiger Spiele mitunter respektvoller miteinander umgehen, als es auf den Pausenhöfen ihrer heiligen Schulen der Fall ist. Dann wüssten sie auch, dass es bei Computerspielen gewöhnlich nicht darum geht, andere Menschen bestialisch zu ermorden, so wie es in vielen Horrorfilmen praktiziert und zelebriert wird, sondern dass es üblicherweise das Ziel ist, eine Bedrohung abzuwenden und für die gute Sache zu kämpfen.
Bei Computerspielen können die Kinder und Jugendlichen sich austoben ohne andere dabei zu gefährden oder jemandem zu schaden.

An dieser Stelle könnten die Lehrer ansetzten. Sie müssten sich dazu aber mit den Spielen auseinandersetzen und könnten dann mit den Schülern auf Augenhöhe über die Themen diskutieren. Wenn Schüler sich für etwas interessieren, dann sollte man es nicht einfach verbieten, nur weil man das Thema selbst nicht kennt und Angst davor hat. Ganz im Gegenteil würde sich hier die Chance bieten, die Schüler bei einem Thema abzuholen, das für sie eine wichtige Rolle im Leben spielt. Im Politikunterricht könnten politische Aspekte der Spiele aufgegriffen werden, um dann zur tatsächlichen Geschichte der Menschen überzugehen. Im Sozialkundeunterricht könnte man ausgehend von gewaltlastigen Computerspielen über Werte und Normen einer Gesellschaft sprechen. Und in Anbetracht der immer realistischer werdenden Physiksimulationen in den Spielen könnten die Physiklehrer den Physikunterricht spannender gestalten. Ganz zu schweigen von den Informatiklehrern. Die könnten den Schülern einen ersten Eindruck vermitteln, wie solche Computerspiele programmiert werden. Und wenn dann vielleicht sogar die ganze Klasse gemeinsam am Ende vom Schuljahr ein Spiel programmiert hat, wird dies gewiss für das soziale Gefüge von Vorteil sein. Zumal so ein Computerspiel Interdisziplinär, also fächerübergreifend, entwickelt werden kann. Die Musikuntermalung wird im Musikunterricht komponiert, musiziert und aufgenommen. Das Design der Menüs und der Spielwelt wird im Kunstunterricht geplant und realisiert. Die Story wird im unterricht für die Muttersprache ausgearbeitet. Und im Spanisch- oder im Französischunterricht werden die Dialoge übersetzt. Bei der Gelegenheit lernen die Schüler unter fachkundiger Anleitung auch gleich den kritischen Umgang mit den neuen Medien und natürlich die Fähigkeiten, sich neues Wissen selbst anzueignen, indem sie Anleitungen zum programmieren selbst im Internet oder ganz altmodisch in der Fachliteratur recherchieren können. Und bei der Veröffentlichung des Spiel auf einer Homepage im Internet bieten sich noch mehr Möglichkeiten, etwas zu lernen. Ebenso bei der Bewerbung des Spiel auf sozialen Plattformen.
Die Verantwortlichen an den Schulen hätten so viele unglaublich tolle Möglichkeiten, die Schüler bei einem Thema anzusprechen, dass auf viele von ihnen ohnehin bereits einen großen Reiz ausübt. Leider nutzen die Lehrer diese Chance nicht, sondern verbieten die Spiele einfach und bringen damit auch gleich die Eltern in eine üble Situation. Was ist, wenn der Sohnemann oder die Tochter heimlich Ballerspiele zockt und die Lehrer Wind davon bekommen. Dann steht am nächsten Morgen vielleicht ein Rollkommando der Polizei vor der Tür. Folglich müssen die Eltern ihre Schützlinge von nun an auf Schritt und Tritt verfolgen und ausspionieren. Das dies nicht gut für das familiäre Vertrauen sein dürfte, müsste selbst den besonders begriffsstutzigen Lehrern einleuchten. Scheinbar ist dies das aber nicht der Fall. Das ist wirklich erschreckend.
Erschreckend ist auch die Tatsache selbst, dass die Lehrer keine Versuche unternehmen, sich in die Gedankenwelt der Kinder einzuarbeiten und diese zu erforschen und zu verstehen. Eigentlich sollte man meinen, dass es gerade im Sinne eines Lehrers ist, sich weiterzubilden. Gerade für Lehrer sollten Forschung, Bildung und Lehre ganz selbstverständlich sein. Aber genau die Menschen, welche den Auftrag haben, die Kinder zu unterrichten und auf das Leben vorzubereiten, verweigern es, sich selbst weiterzubilden. Stattdessen ziehen viele Lehrer es vor, stupide die Dogmen unserer Zeit vorzubeten und zwingen dann die Schüler, die auswendiggelernten Belanglosigkeiten in Prüfungen niederzuschreiben und dabei Unmengen an Papier zu beschmutzen.
Dabei verpassen sie die wunderbare Chance, den Schülern den Wert des Lebens und des freundlichen Umgang miteinander beizubringen und die jungen menschen auf das Leben vorzubereiten. Die Lehrer verpassen es auch regelmäßig, den Schülern die Zusammenhänge zwischen Zins und Zinseszins und dem wachsenden Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich zu vermitteln und die Alternativen aufzuzeigen. Dabei trägt gerade das Zinssystem in unvorstellbarem Maße dazu bei, dass die ganz reale Gewalt ständig zunimmt, weil immer mehr Menschen einfach nur noch ums Überleben kämpfen. Der Zinseszins erzwingt darüber hinaus ein ständiges Wirtschaftswachtum und dem damit einhergehenden Ressourcenverbrauch, um die Grundlage für neue Kredite zu schaffen, mit denen sich zwar immer mehr Menschen verschulden, die aber notwendig sind, um alte Schulden zu begleichen. Die Zerstörung der Umwelt mag im Erdkundeunterricht thematisiert werden, die Rolle des Geldsystems dabei wird aber gewöhnlich nicht erwähnt. Auch nicht im Wirtschaftsunterricht. An dieser Stelle könnten die Lehrer wirklich zum Wohl der Menschheit beitragen, indem sie die Schüler über die tatsächliche Funktionsweise des Geldsystems aufklären und ihnen auch gleich die Alternativen aufzeigen, wie etwa ein zinsfreies Geldsystem. Ohne Zins und Zinseszins wäre die Welt gewiss sehr viel friedlicher. Aber darüber verlieren die Lehrer kein Wort stattdessen greifen sie im „Namen des Friedens“ selbst zur Gewalt und bedrohen die Eltern der Schüler, wenn die Kinder sich in den Welten der virtuellen Gewalt austoben.

Die Bildungssysteme in der angeblich so zivilisierten westlichen Welt sind unglaublich beschämend :(


Literaturverzeichnis:
[1]
Britische Schulen drohen Eltern, falls Kinder Gewaltspiele spielen; Heise; Axel Kannenberg; http://www.heise.de/newsticker/meldung/Britische-Schulen-drohen-Eltern-falls-Kinder-Gewaltspiele-spielen-2590783.html; 30.03.2015