Bill Gates: Hunger kann in 15 Jahren besiegt sein

Die Menschheit hat nach Ansicht von Microsoft-Gründer und Philanthrop Bill Gates gute Chancen, in den nächsten 15 Jahren den Hunger zu besiegen.[1] So ist es derzeit in den Nachrichten zu lesen.
Welch Ironie. Essen und Trinken gibt es bereits jetzt schon im Überfluss. Es sit nur sehr ungleichmäßig verteilt. Während die Menschen in den westlichen Industriestaaten Unmengen an Nahrungsmitteln wegwerfen oder dadurch verschwenden, dass sie große Mengen an planzlicher Nahrung in Tiere stopfen um anschließend einen Bruchteil der Nahrungsmenge in Form von Fleisch zu erhalten, verhungern die Menschen in anderen Teilen der Welt. Die Verteilung der vorhandenen Lebensmittel richtet sich vor allem nach der Verteilung der Geldvermögen. Wo viel Geld ist, ist auch viel Essen. Regionale und klimatische Bedingungen spielen natürlich auch eine Rolle. In einer Steinwüste wächst naheliegenderweise nicht viel. Aber auf der anderen Seite wachsen hierzulande auch keine Bananen und dennoch sind die Supermarktregale voller Bananen. Und in einem Luxushotel in der arabischen Wüste wird auch niemand hungern, obwohl Lebensmittel in der Region nur schlecht angebaut werden können.
Wenn aber die Verteilung der Lebensmittel fast nur von der Vermögensverteilung abhängt, dann ist davon auszugehen, dass der Hunger in der Welt noch zunehmen wird. Wer kein Geld hat, wird auch kaum zu einem nennenswerten Vermögen kommen. Viele Landwirte in den Entwicklungsländern könnten sich problemlos mit Nahrung von eigenen Feldern ernähren und müssten nicht hungern. Sie haben aber kein Geld für Saatgut oder Maschinen und auch das nötige landwirtschaftliche Wissen fehlt ihnen häufig, weil sich sich keine Schulungen und Fortbildungen leisten können. Diese Menschen müssen häufig hohe Kredite aufnehmen, um zumindest das notwendigste an Saatgut oder Werkzeuge einkaufen zu können. Dafür sind dann aber hohe Zinsen zu entrichten. Und manch ein Saatgut-Konzern geht sogar soweit, den Bauern sogenanntes Terminator-Saatgut zu verkaufen und vertraglich zu knebeln. Dieses Saatgut kann ganz normal ausgesäht werden. Die Samen der aufgezogenen Pfalnzen selbst sind jedoch nicht mehr keimfähig. Foglich ist es den Bauern nicht möglich, Samen der angebauten Pflanzen im nächsten Jahr wiederzuverwenden. Dadurch werden sie von den großen Konzernen abhängig und müssen jedes Jahr wieder Saatgut einkaufen und dafür jeden Preis bezahlen, den die Konzerne verlangen.
Während die Menschen in den armen Ländern trotz harter Arbeit immer ärmer werden, wachsen die Vermögen der Konzerne und Kreditinstitute immer weiter an. Selbst wenn die Vermögenden nichts arbeiten, werden sie automatisch durch Zins und Zinseszins immer reicher. Wenn der Herr Bill Gates auf sein geschätztes Vermögen von knapp 80 Milliarden Dollar nur 5 Prozent Zinsen im Jahr erhält, dann wächst sein Vermögen ohne dass er etwas zu leiste oder produzieren muss, um etwa 4 Milliarden Dollar pro Jahr. Das sind über 300 Millionen Dollar im Monat. Für NICHTSTUN! Um diese Zinsen zu erwirtschaften müssen 300.000 Menschen mit einem Einkommen von 1.000 Dollar im Monat vollständig auf ihr Einkommen verzichten. Oder 600.000 Menschen mit einem Einkommen von 1.000 Dollar verzichten auf die Hälfte ihres Einkommens. Es wird deutlich, dass sehr viele Menschen sehr viel weniger Geld erhalten, als sie erarbeiten, nur um die Vermögen der Reichen den Zinsansprüchen entsprechend zu mehren. Natürlich fällt dieses Geld für Zins und Zinseszins nicht von den Bäumen, sondern muss durch Kreditvergaben neu geschöpft werden (sonst hätten die Zinszahler irgendwann selbst keinen Cent mehr). Somit müssen sich Tag für Tag Menschen verschulden, damit die Umverteilung des Geldes weitergehen kann. Dadruch werden die fleißigen armen Menschen immer ärmer und die Reichen werden natürlich immmer reicher. Wenn aber die Armut zunimmt, dann nimmmt auch der Hunger zu, schließlich gibt es dort viel Essen, wo viel Geld ist, während die armen Menschen auf ihren eigenen Feldern verhungern müssen.
Unter Philanthropie (griechisch φιλανθρωπία philanthrōpía, von φίλος phílos ‚Freund‘ und ἄνθρωπος ánthrōpos ‚Mensch‘) versteht man ein menschenfreundliches Denken. Ob Bill Gates demnach wirklich als Philantrop bezeichnet werden kann, wie es in der Presse immer wieder der Fall ist, ist mehr als fraglich. Während Bill Gates davon redet, dass in ferner Zukunft niemand mehr verhungern muss, spielt er kritiklos in einem System mit, das die Umverteilung zugunsten einer kleinen Minderheit (zu der er selbst gehört) immer weiter vorantreibt und natürlich dazu beiträgt, dass jeden Tag Menschen verhungern. Daran wird sich nichts ändern, wenn auch weiterhin Milliarden Menschen die Zinseinkommen einer kleinen Minderheit erwirtschaften müssen, anstatt die Zeit dafür nutzen zu können, die eigene Familie zu ernähren.


Literaturverzeichnis:
[1]
Bill Gates: Hunger kann in 15 Jahren besiegt sein; Heise; Jürgen Kuri; http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bill-Gates-Hunger-kann-in-15-Jahren-besiegt-sein-2824536.html; 24.09.2015