Battlegroups – Krieg ist Frieden

„Europa“ sei ein tolles Konzept, dass uns bereits seit vielen Jahrzehnten Frieden bringt. So wird es zumindest über die Mainstream-Medien suggeriert. Dabei wird jedoch außer Acht gelassen, dass wir keineswegs in Frieden leben. Solange das Geldsystem auf Zinseszins als Umlaufsicherung basiert, wird es soziale Spannungen, durch den ständigen Wachstumszwang und die Umverteilung der Vermögen geben. Kriege sind eine Folge dieses Systems und gleichzeitig sind sie nötig, um dieses Geldsystem funktionsfähig zu halten, denn Krieg geht einher mit hohen Kosten für die Zerstörung und anschließend für den Wiederaufbau. Die Kriege, an denen auch deutsche Soldaten beteiligt sind, wurden – der Globalisierung sei Dank – lediglich in andere Teile der Welt ausgelagert.

Bei diesem System kommt man aber aufgrund des Exponentialcharakters nicht umhin, immer aggressiver und zerstörerischer vorzugehen. So allmählich sind auch die Massenmedien gezwungen, dies zumindest anzudeuten. Konnte man den Menschen bislang erklären, dass hauptsächlich Soldaten für Hilfeleistungen und Unterstützung der Bevölkerung entsendet wurden, muss man mittlerweile auch eingestehen, dass es zunehmend um Kampfhandlungen gehen wird. Nun leben wir aber in einem Land, in dem Szenen aus Computerspielen, die zu gewaltlastig sind, aus den Spielen geschnitten werden müssen, weil man den Menschen diese Gewalt nicht zumuten möchte. Das führt zu einem Konflikt. Es passt einfach nicht, wenn man auf der einen Seite virtuelle Schlachtfelder zensiert und auf der anderen Seite junge Menschen auf richtige Schlachtfelder schickt. Während im virtuellen Krieg am Computer kein Blut dargestellt werden darf, damit das entsprechende Computerspiel in Deutschland verkauft werden kann, werden die Soldaten im realen Krieg auf dem Schlachtfeld von Granaten zerfetzt. Das ist brutal und im Gegensatz zu den Spielen geht es hier wirklich um Leben und Tod. Während die Politiker sich aber über harmlose Spiele entrüsten, segnen sie gleichzeitig Kriegseinsätze in fernen Ländern ab. Damit stehen sie vor einem Dilemma. Man möchte den Menschen ja eine heile Welt vorgaukeln, in der Gewalt kein Platz hat. Gleichzeitig sollen aber junge Soldaten einer unvorstellbaren Gewalt ausgesetzt werden. Zu allem Ärger für die Politiker muss die Bevölkerung auch noch (zumindest rudimentär) über die Vorgänge informiert werden.
Damit dieser Widerspruch zwischen der vorgegaukelten heilen Welt und der grausamen Realität nicht auffällt, greift man zu einem Trick. Man passt die Sprache an. So wie man es aus dem Roman „1984“ von George Orwell kennt, wird die Sprache verändert, um die Kommunikation des Volkes in kontrollierte Bahnen zu lenken. Dies nennt sich Neusprech. Gleichzeitig erzieht man die Menschen zum Doppeldenk, darunter versteht man die Fähigkeit, zwei einander widersprechende Denkweisen gleichzeitig als wahr zu akzeptieren.

Auf der Internetseite des Focus ist ein Bericht zu lesen, der folgendermaßen beginnt:

Europa sollte Battlegroups nutzen

Zu ihren Aufgaben gehört das gesamte Spektrum militärischer Operationen des Krisenmanagements: humanitäre Hilfe und Rettungsaufgaben, Konfliktverhinderung, Separierung kämpfender Gruppierungen sowie friedenserhaltende und stabilisierende Maßnahmen.

Man verwendet englische Wörter, die vor allem viele ältere Menschen nicht verstehen. Das hat aus Sicht der Politiker den Vorteil, dass die entsprechenden Wörter noch nicht mit Emotionen verbunden sind. Beim Wort slay wird jeder, der nicht englisch spricht, keine negativen Gefühle haben. Übersetzt man das Wort, heißt es erschlagen und man wird unwillkürlich an Blut, Waffenund den Tod denken. Genau so verhält es sich auch mit dem Wort battlegroup. Das Wort klingt harmlos. Aber das ist es nicht. Wenn man die gewaltlastigen Computerspiele spielt, die wir aus Sicht der Politiker nicht spielen sollen, weil sie zu brutal sind, weiß man gewöhnlich, was dieses Wort übersetzt bedeutet: Kampfgruppe oder Schlachtgruppe. Battlegroup beschreibt also eine Gruppe von Soldaten, die in die Schlacht geschickt werden. Kein Wunder also, dass man „das Kind nicht beim Namen nennt“, sondern auf Begriffe Ausweicht, die weniger geläufig und bei weiten Teilen der Bevölkerung nicht vorbelastet sind.
Aber irgendwie steckt ja doch ein negativer Beigeschmack im Wort. Spätestens, wenn man es übersetzt, ist klar was gemeint ist. Nun kommt der zweite Teil im obigen zum Tragen: „Zu ihren Aufgaben gehört das gesamte Spektrum militärischer Operationen des Krisenmanagements: humanitäre Hilfe und Rettungsaufgaben, Konfliktverhinderung, Separierung kämpfender Gruppierungen sowie friedenserhaltende und stabilisierende Maßnahmen.“
Ist Euch etwas aufgefallen? Es wird lediglich von „militärischen Operationen des Krisenmanagements“ gesprochen und ein anderer wesentlicher Teil komplett ausgeblendet. Mit keinem Wort wird erwähnt, dass es sich um Kampftruppen handelt. Da ist zu lesen:

  • humanitäre Hilfe
  • Rettungsaufgaben
  • Konfliktverhinderung
  • Separierung kämpfender Gruppierungen
  • friedenserhaltende Maßnahmen
  • stabilisierende Maßnahmen

Ein klassischer Fall von Doppeldenk. Auf der einen Seite weiß man, dass es hier um Gewalt geht. Gleichzeitig soll man aber annehmen, die Soldaten der Battlegroup, der Schlachtgruppe, werden zu friedlichen Missionen geschickt. Der Gedanke wird durch die geschickte Wahl positiv belegter Worte in diesem Kontext unterstützt.


Krieg ist Frieden!