Atomenergie wird uns in die Zukunft begleiten

Das die Nutzung von Atomenergie zur Stromerzeugung nicht nur gefährlich, sondern auch sehr teuer ist, erkennen mittlerweile immer mehr Menschen. So verwundert es kaum, dass die Akzeptanz für diesen hoch subventionierten Wirtschaftszweig abnimmt. Ein Unfall in einem Atomkraftwerk kann für unzählige Menschen, die sich heute noch auf ein langes und spannendes Leben freuen schon morgen den sicheren Tod bedeuten. Vor der zerstörerischen Strahlung zu fliehen ist kaum möglich, zumindest wenn man zu den Menschen gehört, die aufgrund fehlender Beziehungen zu spät informiert werden und darüber hinaus keinen startbereiten Jet im Hangar stehen haben. Das dürften über 99 Prozent der Bevölkerung sein. Selbst ohne einen schwerwiegenden Zwischenfall hat die Nutzung der Atomenergie weitreichende Folgen für uns und die zukünftigen Generationen in den nächsten zigtausend Jahren. Der strahlende Abfall kann noch so tief vergraben sein. Irgendwann wird er wieder an die Oberfläche treten und seine Wirkung entfalten. Heutige moderne „Endlager“ sind schon nach wenigen Jahrzehnten am Ende und müssen saniert werden.
Aus Sicht der Bevölkerung sind Atomkraftwerke ein hochgefährlicher, aberwitziger Unsinn. Es gibt jedoch auch Menschen, die mit diesen Anlagen unglaublich reich werden.

Um die Zukunft der atomaren Energiegewinnung zu sichern, gibt es die Europäische Atomgemeinschaft (EAG oder heute Euratom), die am 25. März 1957 durch die Römischen Verträge von Frankreich, Italien, den Beneluxstaaten und der Bundesrepublik Deutschland gegründet wurde und noch heute fast unverändert besteht. Sie ist neben der Europäischen Union eine eigenständige Internationale Organisation, teilt mit ihr jedoch sämtliche Organe. Die Euratom ist als eigenständige Organisation und sogenannte Europäische Gemeinschaft in ihren Strukturen vollständig an die EU angegliedert.[1]

Diese Organisation möchte die Nutzung der Atomenergie vorantreiben und handelt auf Basis von Verträgen die in kleiner Runde ausgedacht wurden. Abgesehen von ganz wenigen Beteiligten haben weder die aktuell lebenden Menschen noch die Menschen der zukünftigen Generationen ein Mitspracherecht. Die meisten Bürger in Europa werden vermutlich nicht einmal wissen, dass es dieses Abkommen gibt. Werfen wir nun einen Blick in einen solchen Vertrag, und zwar in die konsolidierte Fassung des Vertrages zur Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft. Dort ist zu lesen:[2]

[..] ENTSCHLOSSEN, die Voraussetzungen für die Entwicklung einer mächtigen Kernindustrie zu schaffen, welche die Energieerzeugung erweitert, die Technik modernisiert und auf zahlreichen anderen Ge­bieten zum Wohlstand ihrer Völker beiträgt, [..]

Laut dieses Vertrages ist „man“ fest entschlossen, die Kernenergie zu einer mächtigen Industrie zu machen, ungeachtet der Gefahren für Leib und Leben unzähliger Menschen und anderer Tiere auf diesem Planeten. In Anbetracht dessen, mutet der nächste Satz wie Hohn an:

[..] IN DEM BESTREBEN, die Sicherheiten zu schaffen, die erforderlich sind, um alle Gefahren für das Leben und die Gesundheit ihrer Völker auszuschließen, [..]

Oben zitierter Vertrag ist Teil des EU-Primärrechts.[3] Das hat bedeutende Konsequenzen:

Die Europäische Kommission erteilt dem von GLOBAL 2000 initiierten europäischen Volksbegehren „Meine Stimme gegen Atomkraft“ eine vorläufige Absage. [..] Begründet wird die Ablehnung mit dem Vorwand, dass das europäische Volksbegehren „Meine Stimme gegen Atomkraft“ europäisches Primärrecht, insbesondere den EURATOM-Vertrag der EU, verletzen würde und daher nicht zugelassen werden dürfe.[4]

Es steht also schon lange fest, dass die Kernenergie vorangetrieben wird. An diesen Verträgen werden auch die vielen Demonstrationen gegen die Kernenergie nichts ändern. Ganz im Gegenteil, sie könnten sogar illegal sein, weil sie möglicherweise das europäische Primärrecht verletzen. So wird wohl auch in Zukunft Strom auf diese gefährliche Art produziert. Die Kernkraft wird uns in die Zukunft begleiten und uns jeden Tag auf Neue gefährden.


Literaturverzeichnis:
[1]
Europäische Atomgemeinschaft; http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Atomgemeinschaft; 21.06.2012
[2]
Konsolidierte Fassung des Vertrags zur Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft; http://eur-lex.europa.eu/JOHtml.do?uri=OJ:C:2010:084:SOM:DE:HTML; 30.03.2010
[4]
GLOBAL 2000: Kommission erteilt Volksbegehren „Meine Stimme gegen Atomkraft“ vorläufige Absage; Victoria Zedlacher; http://www.my-voice.eu/de-AT/presse/global-2000-kommission-erteilt-volksbegehren-%E2%80%9Emeine-stimme-gegen-atomkraft%E2%80%9C-vorl%C3%A4ufige-absage; 06.01.2012