Alternative für Deutschland

Es gibt eine neue politische Partei in Deutschland, deren Name suggeriert, dass sie eine Alternative zu den bisher etablierten Parteien darstellt. Wenn man sich den Standpunkt der Partei und das Parteiprogramm zu Gemüte führt, könnte man auch meinen, dass diese Partei Alternativen bietet, die aktuellen Probleme zu lösen. Die Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) wurde „in ernster Sorge vor politischen und wirtschaftlichen Fehlentwicklungen in Deutschland und in der Europäischen Union“ gegründet, wie auf deren Homepage nachgelesen werden kann.
Aus Sicht von etwa 95 Prozent der Menschen gibt es in der Tat eine große Fehlentwicklung, die unbedingt korrigiert werden sollte. Für das Verständnis ist es nun aber wichtig, dass ich an dieser Stelle etwas weiter aushole.


Das zinsbasierte Geldsystem


Zusammenfassend kann man diese gefährliche Entwicklung so beschreiben: Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Dieser Trend hält nun schon seit Jahrzehnten an. Die Beteuerungen der Politiker, für mehr Gerechtigkeit zu sorgen, waren bislang ohne Einfluss. Und daran wird sich auch nichts ändern, wenn das System nicht grundlegend überarbeitet wird. Auch zukünftig werden die nicht zwangsläufig arbeitenden Reichen – überspitzt formuliert – auf Kosten der arbeitenden Armen immer reicher. Während zunehmend größere Teile der Bevölkerung in Armut versinken und die Menschen unter prekären Beschäftigungsverhältnissen ausgebeutet werden (Stichworte: Niedriglohn- und 1-Euro-Jobs), sind viele der reichen Menschen hauptsächlich damit beschäftigt, das viele Geld, dass andere für sie in Form von Zinsschulden erarbeitet haben, in ferne Steueroasen zu transferieren, um nichts von dem gehorteten Vermögen abgeben zu müssen.
Überraschend ist diese Entwicklung natürlich nicht, wenn man sich bewusst macht, wie dieses Geldsystem funktioniert. Geld kann problemlos gehortet werden. Das heißt, ein Besitzer von Geldvermögen kann dieses Geld dem Kreislauf entziehen, indem er es in einen Tresor legt. Wer mehr Geld hat, als er zum Leben benötigt, wird einen großen Teil natürlich sparen. Das Geld fehlt dann aber den anderen Menschen, die es für den täglichen Handel benötigen würden. Wie animiert man nun die Vermögensbesitzer, ihr Geld wieder dem Kreislauf zuzuführen? Ganz einfach, man sorgt dafür, dass sie das Geld für eine bestimmte Zeit verleihen. Als Anreiz dafür erhalten die Kreditgeber nach einiger Zeit nicht nur den verliehenen Betrag zurück, sondern zusätzlich auch noch eine gewisse Summe in Form von Zinsen. Die Aussicht, leistungslos noch mehr Geld zu bekommen, wenn man einfach nur Geld zeitweise verleiht, das man im Moment eh nicht benötigt, sorgt dafür, dass das Geld in Bewegung bleibt.
Das funktioniert einigermaßen gut, hat aber einen großen Nachteil: Die Schuldner müssen grundsätzlich mehr Geld zurückgeben, als sie geliehen habe. Einzelne Schuldner können dieser Verpflichtung nachkommen, indem sie anderen Menschen einen Teil des Geldes durch Handel (oder Diebstahl) abnehmen. Im Gesamten ist es aber schwer mit dem verfügbaren Geld alle Schulden zuzüglich der Zinsen und Zinseszinsen zurückzubezahlen. Tatsächlich wird sogar nicht das Geld verliehen, das vorhanden ist, sondern es wird bei der Kreditvergabe auf Basis des vorhandenen Geldes neues Geld geschöpft. Die Geldmenge steigt. Aber sie steig nur um die Höhe des Kredites und nicht zusätzlich um die Höhe der zu leistenden Zinszahlungen. Folglich gibt es nicht genug Geld, um Kredite und Zinsen zurückzahlen zu können. Das Geldsystem würde also relativ bald zusammenbrechen. Wenn zu viele Schuldner ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können, dann werden die Vermögenden ihr Geld nur noch gegen höhere Zinsen ausleihen, da sie jetzt damit rechnen müssen, das Geld eventuell nicht mehr wiederzubekommen. Das Risiko wird in die Zinsen eingepreist. Dadurch werden noch mehr Leute in Zahlungsprobleme kommen,die Zinsen steigen weiter und noch weniger Leute können sich einen Kredit leisten. Es wird immer schwerer, kreditwürdige Nachschuldner zu finden. Das Schneeball-Geldsystem stößt an seine Grenzen und die Wirtschaft kommt zum Erliegen.
Jetzt müssen wir noch weiter zurück in die Vergangenheit reisen, um zu verstehen, wie es zu diesem Geldsystem kam. Vor langer Zeit verwendeten die Menschen Edelmetalle, vornehmlich Gold, als Zahlmittel, Tauschmittel, Schatzmittel und Vergleichsmittel. Das waren die gleichen Funktionen, die das heutige Geld auch hat. Diese Funktionen widersprechen sich allerdings und schließen sich mitunter gegenseitig aus. Gold, das als Schatzmittel gehortet wurde, fehlte der Wirtschaft und auch hier wurde der Zins eingeführt, um einen Anreiz zu schaffen, das Gold der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, die es als Tausch- und Zahlmittel benötigte. Damals waren also ähnliche Probleme zu erwarten, wie wir sie auch heute haben: Es muss immer mehr Edelmetall zur Tilgung der wachsenden Zinslasten aufgebracht werden. Der kritische Punkt, an dem die Zinsansprüche die möglichen Zinsleistungen durch Schuldner überstiegen, wurde auch damals schnell erreicht. Die Situation war sogar noch angespannter, als es heutzutage der Fall ist. Gold kann man nicht beliebig vermehren. Man kann nicht einfach neues Gold schaffen, um damit die nicht vorhandenen Zinsen der Schulden auf das vorhandene Gold zu begleichen. Es ist irgendwann schlicht und einfach nicht mehr genug Gold aufzutreiben, um die Zinsen zu bezahlen.
Eine Lösung ergab sich mehr oder weniger zufällig, als es den Menschen zu kompliziert wurde, mit Gold (und anderen Edelmetallen) zu bezahlen. Das Papiergeld wurde erfunden. Dies ist bedeutend einfacher zu handhaben, da man nicht mehr die schweren Edelmetallmünzen herumtragen musste. Das Papiergeld war aber normalerweise zunächst vollständig durch Gold gedeckt, was das vertrauen in das ansonsten wertlose Papier stärkte. Man konnte jederzeit bei der Bank sein Geld in eine festgelegt Menge Gold tauschen. Natürlich führte Papiergeld zu den gleichen Problemen, wie bei einer Goldwährung. Es konnte nur so viel Geld in Umlauf gebracht werden, wie es Gold gibt. Die Geldmenge kann also nicht mit dem durch Zins und Zinseszins erzwungenem Wachstum mithalten. Naheliegenderweise wurde deshalb die Goldbindung gelockert. Man hat immer weniger Gold für das Geld bekommen, wenn man die Scheine bei der Bank gegen das Edelmetall tauschen wollte. Oder andersrum: Auf der Basis einer bestimmten Goldmenge kann immer mehr Geld in Umlauf gebracht werden. Und irgendwann wurde die Goldbindung vollständig aufgehoben. Jetzt war es endlich möglich, immer neues Geld zu schöpfen, was ja nötig ist, um die Zinsen der alten Schulden zu begleichen. Das zusätzliche Geld wurde und wird aber natürlich nicht einfach so an die Bedürftigen verschenkt, sondern von den Banken in Form von Krediten vergeben. Hierfür sind natürlich wieder neue Zinsen zu entrichten und die Bank möchte zudem noch reale Sicherheiten für den Fall, dass man den Kredit und die Zinsen nicht mehr zurückzahlen kann.
Der Weg ist jetzt frei, theoretisch unbegrenzt immer neue Kredite zu vergeben, um mit der durch Zins und Zinseszins erzwungenen Ausweitung der Geldmenge tatsächlich schrittzuhalten. Dies führt aber zu einer Inflation. Das vorhandene Geld wird immer weniger Wert somit gibt es Bestrebungen, die Ausweitung der Geldmenge zumindest zu beschränken, um den Schaden in Grenzen zu halten. Es wurden Bremsen eingebaut (Mindestreserve, …), die aber eher theoretischer Natur sind und grundsätzlich aufgeweicht werden, wenn sie irgendwann ein echtes Hindernis darstellen. Aber eine Bremse wirkt trotzdem: Die Banken vergeben neue Kredite nur, wenn der Kreditnehmer glaubhaft versichern kann, dass er das Geld und die Zinsen bezahlt oder dafür Sicherheiten bieten kann, wie bereits erwähnt. Irgendwann lassen sich aber keine solchen potentiellen Nachschuldner mehr finden. Ein Teil der Bevölkerung wurde durch die Zinsen so reich, dass dieser Teil kein Geld leihen muss und der andere Teil der Bevölkerung ist so arm, dass keine Aussicht darauf besteht, dass sie die Schulden jemals zurückzahlen könnten.
Es folgt die nächste Eskalationsstufen: Die Banken vergeben Kredite irgendwann auch an Menschen, bei denen sie genau wissen, dass sie das Geld nicht zurückzahlen können und die auch keine Sicherheiten bieten können. Damit lässt sich wieder etwas Zeit erkaufen. Früher oder später wird dieses Vorgehen aber auffallen und es kommt zu großen Verwerfungen. Stichworte: Subprime-Krise, Credit Default Swaps, Bad-Banks, …
Nun ist es so, dass die Banksysteme in einigen Länder bei diesem Schneeballsystem früher zusammenbrechen und andere halten etwas länger durch. Wie könnte man also vorgehen, um die ersten Zusammenbrüche möglichst lange hinauszuzögern und dadurch abermals ein klein wenig Zeit zu gewinnen? Genau, man sorgt dafür, dass die Banken in den schwächeren Länder, die als erstes vom Zusammenbruch bedroht sind, von den Steuerzahlern der etwas stärkeren Ländern gestützt werden. Dafür ist aber eine Gemeinschaftswährung nötig. Nennen wir dieses Geldsystem „Euro“. Und weil es einige Leute gibt, die bereits bei der Einführung dieser europäischen Währung vermuteten, dass es aus den genannten Gründen auf eine Transfer-Währung hinauslaufen wird, baut man eine Klausel ein, die gerade die Rettung der bedürftigen Staaten durch die noch etwas wohlhabenderen Staaten ausdrücklich verbietet. Diese Klausel nennt sich No-Bail-Out-Klausel und dient der Beruhigung der Kritiker.
Irgendwann kommt es dann zu den ersten ernsthaften Schwierigkeiten einzelner Länder und schon ist die No-Bail-Out-Klausel vergessen. Die etwas wohlhabenderen Länder kommen nun doch für die Verbindlichkeiten der in Schieflage geratenen Staaten und vor allem deren Banken auf, ungeachtet der Tatsache, dass dies rechtswidrig ist. Mittlerweile müssen sogar ganz offen die Gesetze gebrochen werden, um das System zu erhalten. Mitgefangen, mitgehangen. So ist das nun mal.
Wie lange geht das so weiter? Bis es nicht mehr möglich ist, den endgültigen Zusammenbruch zu verhindern. Vielleicht wird davor noch das Bargeld verboten, das noch eine gewisse Bremse darstellt und möglicherweise eine Art Weltwährung eingeführt. Aber irgendwann ist Schluss. Irgendwann sind auch die im Moment noch einigermaßen stabilen Länder völlig verarmt und die verbliebenen Vermögen der Öffentlichkeit in der Hand einer kleinen unvorstellbar reichen Elite vereint und die letzten staatlichen Einrichtungen privatisiert. Dann wird ein neues Geldsystem gestartet.
Natürlich wird auch dieses System wieder zinsbasiert sein, denn eine Ressource lässt sich weiterhin ausbeuten: die Arbeitskraft der Menschen. Und die werden wir immer und immer wieder einsetzen müssen, um das zusätzliche Geld zu bekommen, dass wir, die Sklaven, auch in einem neuen Geldsystem benötigen werden, um alte Zinsen zu begleichen.


Alternative für Deutschland


Und nun zurück zur Parteie „Alternative für Deutschland“. Die Gründer der Partei haben erkannt, dass das Geldsystem zu Problemen führt. Nun gut, dass dürfte mittlerweile kein Geheimnis mehr sein und Berichte zu den Verwerfungen des Finanzsystems sind mittlerweile selbst in den systemtreuen Mainstream-Medien an der Tagesordnung. Aber die Partei hat nicht nur erkannt, dass etwas gründlich schief läuft, sondern möchte alles besser machen. Unglücklicherweise haben die Mitglieder der Partei aber die eigentlichen Ursachen des Problems nicht erkannt: das Zinseszinssystem. Deshalb ziehen sich auch keine Änderungen daran in Erwägung. Als Lösung wird lediglich vorgeschlagen, wieder die (zinsbasierte) nationalen Währungen, in Deutschland also D-Mark, einzuführen.
Jetzt wird klar, warum ich so umfassend die Entwicklung des Geldsystems erklärt habe. Dadurch sollte ersichtlich geworden sein, dass die Entwicklung vom Goldstandard zum Euro ein zwingender Prozess war, um ein System mit eingebautem exponentiellen Wachstumszwang immer wieder auf eine neue Stufe zu heben, wenn es drohte in Folge der Unzulänglichkeiten zusammenzubrechen. Der Euro ist eine logische Konsequenz der ungedeckten nationalen Papier- und Buchgeldwährungen und die wiederum sind ein logische Konsequenz der edelmetall-gedeckten Währungen, die ihrerseits eine logische Konsequenz der Edelmetallwährungen sind.
Die Lösung kann jetzt also nicht sein, einfach eine Stufe zurückzugehen und wieder bei den nationalen Währungen weiterzumachen. Das wäre, als würde man einen Menschen, der immer dicker wird, einfach wieder in eine kleinere Kleidergröße stecken, wie er sie vor zehn Jahren getragen hat. Dadurch wird er nicht schlanker. Möglicherweise würde er einfach ersticken und kollabieren. Äquivalent hierzu ist damit zu rechnen, dass das Geldsystem direkt kollabiert, wenn man zu den nationalen Währungen wechselt. Der Wachtumszwang besteht ja weiterhin und ist mittlerweile auf einem höheren Niveau als es zu Zeiten der nationalen Währungen der Fall war. Ohne massive Eingriffe (Währungsschnitt, Verarmung, …) ist der Rückschritt nicht zu bewerkstelligen und solche Maßnahmen sind auch nicht von langer Dauer, da das Wachstum weitergeht und die Probleme ganz schnell wieder überhand nehmen werden.
Zu einer echten Lösung gehört sehr viel mehr, als nur eine kleiner Sprung in die Vergangenheit. Denn: früher war nicht alles besser. Die Unzulänglichkeiten waren damals nur noch nicht so deutlich zu sehen. Eine wirkliche Alternative würde bedeuten, gänzlich neue lokale Geldsystem zu entwerfen, die nicht auf den Zins als Umlaufsicherung bauen. Dazu bedarf es zudem einer neuen Bodenordnung, einem bedingungslosen Grundeinkommen und diverser weiterer Schritte. Ein umfassendes Konzept wurde bereits durch die Wissensmanufaktur ausgearbeitet: http://www.wissensmanufaktur.net/plan-b


Fazit


Diese neue Partei spricht zwar im Gegensatz zu den meisten etablierten Parteien die Probleme endlich einmal deutlich an, bietet aber keine echten Alternativen. Sie versucht die Probleme mit Maßnahmen zu lösen, die Teil der Verwerfungen sind und damit nicht zu einer echten Besserung führen können.