Absurde Regeln zum Schutz der Gesundheit

Seit Ausbruch der Corona-Massenhysterie habe ich es weitgehend vermieden, Gaststätten oder ähnliche Lokalitäten zu besuchen. Nun hat sich doch ein Besuch eines Lokals ergeben. Auf einer größeren Rasenfläche waren Bierbänke aufgestellt. Die Tische waren aber nicht über die gesamte verfügbare Fläche verteilt, sondern standen (unter Einhaltung der aktuell geltenden Mindestabstände) in direkter Nähe zum Gebäude. Der hintere Bereich der Rasenfläche war ungenutzt, man hätte die Abstände somit noch weiter erhöhen können.
Und dann gab es noch einen einzelnen freien Tisch an einer anderen Seite des Gebäudes. Ein Tisch mit einem größeren Sicherheitsabstand gab es auf dem gesamten Gelände nicht. Wir hatten uns an diesem Tisch niedergelassen. Da in dem Lokal Selbstbedienung vorgesehen ist, hatten wir und etwas zu trinken geholt. Kaum dass wir die Gläser auf dem Tisch abgestellt hatten, kam auch schon eine Kellnerin und teilte uns mit, dass dieser Tisch nicht bewirtet wird. Wir waren zunächst etwas verdutzt, da es sich ja um ein Selbstbedienungs-Lokal handelt und somit eigentlich ohnehin kein Tisch bewirtet wird. Auf den Einwand, dass wir uns ja bereits selbst bedienten und keine Bewirtung benötigen, meinte sie nur, dass wir hier überhaupt nicht sitzen dürfen. Begründen konnte sie die Regel nicht.
Wir haben uns dann an einen anderen Tisch gesetzt und das Formular zur Erfassung der Gäste zwecks Nachverfolgung bei einem Ausbruch einer dramatischen und tödlichen Corona-Infektion in der Gaststätte weiter ausgefüllt. Kaum dass wir am Tisch inmitten der anderen Gäste saßen, wurde am Nachbartisch eine Zigarette angezündet und wir saßen im stinkenden Zigarettenrauch. Wenn die Aerosole des Zigarettenrauches bei uns ankommen, dann kann man auch davon ausgehen, dass auch die virenbehafteten Aerosole aus den Lungen der Raucher ihren Weg zu uns finden. Abgesehen davon, dass der Zigarettenrauch unappetitlich ist, stellt er zumindest einen guten Indikator da, wie sich die Partikel aus der Lunge durch den Raum bewegen.
Warum wir nicht am Tisch weiter abseits sitzen durften, konnten wir während des Aufenthaltes nicht klären. Da der Tisch und die Bänke jedoch in einem weniger guten Zustand waren und die Farbe bereits abblätterte, ist davon auszugehen, dass sie sich im Gegensatz zu den Biertischen und -bänken nach jedem Besuch schlechter desinfizieren lassen, so wie es die neuen Regeln zum Schutz vor Corona mittlerweile vorsehen. Da wir die Cola nicht vom Tisch zu schlecken gedachten, sondern aus einem Glas tranken, dürfte eine mögliche Keimbelastung aufgrund fehlender Desinfektion zu vernachlässigen sein. Zumal die Polster, Haltestangen und Türöffner in den Zügen der Verkehrsbetriebe, welche ich jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit und wieder zurück nutze, auch nicht für jeden Fahrgast neu desinfiziert werden. Die meisten Bahn-Fahrgäste haben die Fahrten, soweit ich das beurteilen kann, trotz der katastrophalen hygienischen Zustände in den Zügen und Bahnhöfen bislang zumeist schadlos überstanden.
Zur Einhaltung der Regeln zum Schutz vor Corona mussten wir uns also an einen Tisch setzten, der augenscheinlich weniger Sicher war, als der zuvor gewählte Tisch. Ob das Ansteckungs-Risiko dann steigt, spielt keine Rolle, wichtig ist nur, dass die Regeln eingehalten werden. Welchen Zweck eine Regel dient, wird offensichtlich nicht gefragt. Wenn es um Corona geht, setzten die Menschen auch die widersinnigsten Regeln durch. Im Straßenverkehr hingegen werden Regeln, die tatsächlich dem Schutz und der Sicherheit dienen häufig bestenfalls als Richtwerte angesehen. An einer Roten Ampel halten die meisten Fahrer noch an. Stoppschilder, Grünpfeile, Geschwindigkeitsbeschränkungen oder auch die Mindest-Abstände beim Überholen von Radfahrern interessieren einen erschreckend großen Teil der Verkehrsteilnehmer überhaupt nicht mehr. Aber wenn sich jemand an einen falschen Tisch setzt oder die Maske nicht bis zu den Augen hochgezogen hat, dann gibt es keine Gnade bei der Durchsetzung der Regeln.
Dass wir die geltenden Corona-Regeln einhalten müssen, steht außer Frage. Selbst wenn die Regeln unnötig oder gar schädlich sind, müssen wir sie einhalten. Wer dies nicht befolgt, wird sanktioniert. Ärzte, die Bedenken an der angeblichen Gefährlichkeit des Virus äußern oder die festgelegten Maßnahmen kritisieren, riskieren ihren Job. Kritiker, welche sich Gedanken über die Folgen der Maßnahmen machen und die Angemessenheit in Frage stellen, werden diskreditiert. Lokalbesucher, die an einem falschen Tisch sitzen bleiben, werden sich schnell mit der Polizei über das Fehlverhalten unterhalten müssen. Überspitzt könnte man formulieren, dass es vielleicht kein Problem sein mag, mit überhöhter Geschwindigkeit zur Kneipe zu rasen und dabei fast einen Radfahrer zu überfahren. Man kann auch ohne Betätigung des Fahrtrichtungsanzeigers (Blinkers) auf den Parkplatz vor der Kneipe rauschen, ohne dass ernsthafte Sanktionen zu befürchten sind. Wichtig ist nur, dass man dann beim Betreten des Lokals seine Maske aufsetzt und sich ganz im Sinne der Corona-Regeln nicht an den falschen Tisch setzt.
Geltende Regeln sollten in einer Zivilisierten Gesellschaft natürlich grundsätzlich befolgt werden. Dies ist schon deshalb notwendig, damit es überhaupt möglich ist, dass so viele Menschen in einem solch dicht besiedelten Land friedlich und stressfrei miteinander leben können. Dies gilt sowohl auf der Straße, als auch beim Gesundheitsschutz. Allerdings sollten die Menschen auch über die Vorgaben nachdenken und sich zumindest immer die Frage stellen, welchem Zweck eine Regel dienen soll. Es gab in der Geschichte und es gibt auch immer noch Regeln, die einen großen Schaden anrichten können, wenn man sie bedingungslos befolgt. Viele Menschen denken aber scheinbar überhaupt nicht darüber nach, warum es eine Regel gibt. Dadurch können sie die sinnlosen oder gar schädlichen Regeln nicht erkennen und bei tatsächlich wichtigen Vorschriften erkennen sie die Bedeutung nicht und halten die wichtigen Regeln dann möglicherweise nicht mit der notwendigen Gewissenhaftigkeit ein.