Betreut und Betrogen

Wer im Alter auf andere angewiesen ist, möchte häufig gerne von den nächsten Verwandten versorgt werden, denen er vertraut. Immer wieder kommt es jedoch vor, dass Gerichte einfach über die Köpfe der Betroffenen hinwegentscheiden und den angehörigen die Rechte entziehen und stattdessen Berufsbetreuer einsetzen. Diese müssen sich allerdings um so viele Klienten kümmern, dass sie nicht viel mehr als einen halben Tag im Monat für jede ihrer anvertrauten Personen aufbringen können. Um möglichst wenig Arbeit mit den zu betreuenden Personen zu haben, werden sie diese schnellstmöglich in ein Heim verfrachten und möglichst die Wohnung auflösen. Anstatt von einem Familienangehörigen im eigenen Heim gepflegt und versorgt zu werden, müssen die alten Menschen dann die letzten Tage ihres Lebens in einem anonymen Heim weitab der eigenen Wohnung und der Familie verbringen. Das Wohl der Menschen interessiert die Richter offensichtlich nicht, auch wenn diese Regelung eigentlich dazu geschaffen wurde, das Wohl der Menschen zu erhalten und zu verhindern, dass alte Menschen unsachgemäß versorgt werden und die Verantwortlichen betonen, dass sie nur um das Wohl der Betroffenen besorgt waren. Wie sehr die Verantwortlichen tatsächlich um das Wohl besorgt sind, sieht man, wenn man schaut, wie oft Richter, Anwälte und Betreuer (Verwalter) bei den Menschen vorbeikommen. Mitunter überhaupt nicht. Es ist diesen Verantwortlichen egal, wie es den Alten ergeht. Es ist ihnen gleichgültig, ob die Betroffenen unter der Situation leiden. Wenn man aber danach fragt, dann wird der vorgetragene Kummer ignoriert und rotzfrech behauptet, man habe das alles nur getan, damit des den Alten gut geht. Selbst Schreiben mit der Bitte zur Familie zurück zu dürfen werden beiseite gewischt. Begründung: der Alte weiß nicht mehr was er sagt oder schreibt. Seine Schreiben muss man nicht ernst nehmen oder ihnen eine tiefere Bedeutung zumessen. Und Angehörige, die sich nur um die Betreuungsbedürftige Person in ihrer Familie kümmern wollten, landen durchaus auch schon mal im Gefängnis.

Besonders schnell werden alte Menschen von den Behörden unter staatliche Vormundschaft gestellt, wenn sie ein größeres Vermögen besitzen. Angeblich um zu verhindern, dass sich seine angehörigen am Geld vergreifen. Wenn dann die staatlich beauftragte Pflegerin und ihr Lebenspartner am Geld der ihr anvertrauten Personen vergreift, sagen die Verantwortlichen nur: Ups, wie konnte das passieren. Schuld sind wir aber nicht. Wir haben alles richtig gemacht.

Einige dieser erschreckenden Geschichten werden in einer Reportage vom Bayerischen Rundfunk mit dem Titel „Betreut und Betrogen“ vorgestellt. Sie zeigen deutlich, wie wenig Menschen und ihre Bedürfnisse zählen, wenn die staatliche Bürokratie auf sie aufmerksam wird. Ab dann verlieren die alten Menschen und ihre pflegenden Angehörigen sämtliche Rechte und werden wir Waren behandelt, die man nach eigenem Ermessen in unvorstellbarer Überheblichkeit umherschubsen kann. Dann wird kalkuliert und wenn es für die Beteiligten Unternehmen lukrativer ist, die alten Menschen in ein Heim abzuschieben, dann werden sie aus ihrem vertrauten Umfeld gerissen. All dieses Leid wird unter dem Vorwand der Fürsorge erzeugt. Das ist absurd und skrupellos.

Nachdem ein älterer Mann, der noch bis ins hohe Alter fit war und unternehmerisch tätig war, nach einem Zusammenbruch unter staatliche Obhut gezwungen wurde, damit seine Kinder nicht an sein Geld kommen, und in der Folge dann abstruserweise gerade vom staatlich verordneten Pflegepersonal finanziell erleichtert wurde, begründete der Direktor des Amtsgerichts Remscheid die Entscheidung des Gerichts folgendermaßen:

Ja wenn jemand nicht in der Lage ist, vernünftige Entscheidungen zu treffen und viel Vermögen besitzt, dann kann er ja zu seinem eigenen Schutz nicht einfach weiterverfügen über sein Vermögen, damit er es nicht verschleudert beispielsweise.

Paul Dieter-Dudda, Direktor des Amtsgerichts Remscheid

Mit dieser Begründung könnten die Gerichte bei Gelegenheit auch mal gegen die Verantwortlichen bei den großen Banken vorgehen. Die können, wie die bereits seit Jahren andauernde Finanzkrise immer deutlicher zeigt, offensichtlich auch keine vernünftigen Entscheidungen treffen und mit Geld umgehen. Dennoch dürfen sie über Milliardensummen verfügen und damit nach Lust und Laune an den Weltmärkten und Börsen zocken. Wenn es schief geht und alles „verschleudert“ ist, zahlt dann der Steuerzahler die Zeche.